Die tote Katze im Hof eines anderen

Wir hatten ja schon öfter erwähnt, daß wir insbesondere bei komplizierteren Fällen im Gebäudebestand unserer Fonds auch selbst umfassend recherchieren. Wo wir eben gerade über den DEGI International und dessen zu Tränen rührende Ausschüttungspolitik gesprochen hatten, fiel uns ein: Könnte man doch mal wieder im Internet schauen, ob es irgendwo eine Neuigkeit zu der Brandschaden-Ruine “Millennium Business Center” in Bukarest gibt.

Eine Neuigkeit fanden wir nicht, aber folgenden aus dem Jahr 2011 datierenden Beitrag in einem rumänischen Blog, in dem diskuitiert wurde, ob und warum damals bei dem Großbrand die Wachleute die Feuerwehr an der Arbeit hinderten, und warum im Gebäude weder die Sprinkleranlage funktionierte noch in den oberen Etagen Hydranten vorhanden waren.

“Bürger, bleib ruhig! Es ist nicht nur ein Portrait oder ein Design – die Dinge sind dort viel komplizierter. Der Versicherer zahlt nicht für die Erklärung mit der Telefonleitung für die Kindergartenkinder + der Eigentümer und der Verwalter weigert sich zu akzeptieren, dass sie den Mietern durch Unterbrechung der Aktivität Schaden zugefügt haben und hält sie selbständig wie ein Blitz + der Planer klärt sich wie die Träne + der Darsteller ist noch sauberer als der Träne + der Besitzer und Verwalter sind selbst sehr “komplizierte” Firmen. Das Ergebnis: Alle urteilen mit allen, die Mieter gehen, die Nachrichten gehen auf den Markt, damit er nicht mehr mietet und so weiter. So ist der Torhüter nicht der große Eimer dort, sondern die rumänische Art, Geschäfte mit transparenten Firmen zu machen, verdoppelt durch das übliche Werfen mit der toten Katze im Hof ​​eines anderen.”

Das kommt eben auch mal dabei heraus, wenn man den Google-Übersetzer arbeiten lässt. Sobald sich uns der tiefere Sinn des (im rumänischen Original sicher leicht verständlichen) Beitrages erschlossen hat, werden wir Sie es wissen lassen. Vorerst aber verstärkt sich nur unsere Befürchtung, daß die Welt eine ziemlich komplizierte bis unbewohnbare werden wird, wenn wir uns in blindem Fortschrittsglauben erst einmal der Künstlichen Intelligenz ausgeliefert haben.

Jetzt nur nicht übermütig werden

Nur daß Sie es mal gehört haben: Das Fondsmanagement des DEGI International hat all seinen Mut zusammengenommen und sich zu einer Ausschüttung von 0,10 EUR/Anteil am 26.10.2018 durchgerungen.

Über immerhin 3,6 Mio. EUR der 89,3 Mio. EUR im Fonds vorhandener Liquidität dürfen die Anleger in Zukunft also selbst disponieren. Angesichts des uns bei einem Bestand von 900.000 Anteilen auf den Kopf fallenden Betrages werden wir uns nach Kräften bemühen, bei der Reinvestition nicht über die Stränge zu schlagen.

Die Stimme aus der Finsternis

Und es sprach eine Stimme aus der Finsternis zu mir:

“Lächle und sei froh, denn es könnte schlimmer kommen.”

Ich lächelte und war froh, und es kam schlimmer.

Wir haben den 18. Oktober 2018 Klock 10:50. Vor zwei Tagen hatten wir Ihnen für genau diese Zeit eine Antwort auf die Frage versprochen, zu welchem Preis der DEGI Global Business das Einkaufszentrum “King Cross Jankomir” in Zagreb verkauft hat. Hier ist die versprochene Antwort.

Vorweg nur noch kurz zur Vorgeschichte: Dieses herausragende Juwel südosteuropäischer Baukunst der Postmoderne hatte der Fonds – mit dem gerade erst eingeworbenen Geld seiner Anleger – im Jahr 2006 für 85,10 Mio. EUR erworben. Einschließlich der Preisaufschläge für, sagen wir mal, örtliche Gepflogenheiten (die eine oder andere Hand wollte da wohl noch extra geschmiert sein) betrugen trotz zwischenzeitlich erfolgter Abschreibungen die fortgeschriebenen Anschaffungskosten jetzt immer noch 89,00 Mio. EUR.

Dem jüngst erschienenen Abwicklungsbericht konnte man jetzt entnehmen: Verkauft wurde Jankomir vor knapp einem Jahr für 1,17 Mio. EUR, minus 0,20 Mio. EUR Verkaufsnebenkosten, netto also für o,97 Mio. EUR.

Von 89 Mio. Anschaffungskosten beim Verkauf 88 Mio. zu versenken – das muß denen wirklich erst mal einer nachmachen. Wie wir in unserem Beitrag vorgestern schon bemerkten: Vor Unterzeichnung des Kaufvertrages muß der Fondsmanager damals irgendetwas außergewöhnlich Ungesundes geraucht haben.

Und schließlich sprach die Stimme aus der Finsternis: Dieser Fonds wurde am 1. November 2005 nicht von irgendwem aufgelegt. Es war ein Produkt aus dem Hause Dresdner Bank …

Raten Sie mal

Über den DEGI Global Business haben wir noch nie viele Worte verloren. Was auch (aber nicht nur) daran liegt, dass wir von diesem Fonds schon ewig lange keine Anteile mehr im Bestand haben.

Im Abwicklungsprozeß war dieser Fonds relativ schnell unterwegs. Mit dem Phoenix Tower in Bukarest (gekauft 2007 für knapp 15 Mio. EUR) war bereits im März 2016 das vorletzte aller Fonds-Objekte verkauft worden. Es brachte – immerhin, könnte man beinahe sagen – noch rd. 10 Mio. EUR. Bei zuletzt 1,15 Mio. EUR Brutto-Mieteinnahmen pro Jahr hätte ein gewiefter Verkäufer aber vielleicht auch ein bißchen mehr rausschlagen können …

Doch den gewieften Verkäufer brauchten wir ja an anderer Stelle. Nämlich in Zagreb, wo als letztes Objekt dieses Fonds im Stadtteil Jankomir das Einkaufszentrum “King Cross” zum Verkauf stand. Dieses Juwel fast orientalischen Basartreibens auf dem Balkan, Baujahr 2002, hatte der DEGI Global Business im Jahr 2006 für über 85 Mio. EUR gekauft. Bei 15.397 m2 Nutzfläche sind das mehr als 5.500 EUR pro Quadratmeter gewesen. Solche Preise werden für Einkaufszentren selbst heute noch nicht einmal in besten Lagen des Vereinigten Königreichs bezahlt. Man muß sich bei Lichte besehen schon fragen, was der Fondsmanager damals geraucht hatte, bevor er den Kaufvertrag für “King Cross” unterschrieb.

Vor knapp einem Jahr nun konnte der Fonds endlich auch das “King Cross” verkaufen und ist damit endgültig immobilienfrei. Wie gesagt, 2006 mal gekauft für über 85 Mio. EUR – und jetzt verkauft für …?

Früher hätte ich mich mit meiner Frau morgens ja auch mal über Sex unterhalten. Jenseits der 60 wird man in der Wahl der Themen anspruchsloser. Also habe ich der besten Ehefrau von allen heute früh auf der Fahrt in’s Büro die Geschichte vom “King Cross” erzählt und sie gefragt, was sie sich denn so als Allerschlimmstes beim jetzt erzielten Verkaufspreis vorstellen kann. Sie lag gründlich daneben.

Spaßeshalber gebe ich diese Frage erst einmal an Sie weiter, ohne jetzt schon die Lösung zu verraten. Machen Sie sich doch einfach mal selber Gedanken, zu welchem Preis ein für 85 Mio. EUR erworbenes Einkaufszentrum in Zagreb am Ende allerschlimmsten Falls über den Tisch gehen könnte.

Am Donnerstag (18.10.) um 10:50 Uhr verrate ich Ihnen die Lösung. Bleiben Sie dran.

Entschuldigen Sie my perfect English

Nun müssen wir uns heute schon zum zweiten Mal für sprachliche Unzulänglichkeiten unserer Beiträge hier entschuldigen. Dieses Mal nicht, weil wir Ihnen einen holprig in’s Deutsche übersetzten polnischen Beitrag liefern, sondern weil wir einen in englisch verfassten Bloomberg-Beitrag dann doch besser in der Original-Version zitieren.

We do hope our geneigte Readership is the English sufficient mighty …

How Germany’s Little Savings Banks Threaten Big Financial Woes

The country’s 385 savings banks, known as Sparkassen, could destabilize the economy.

Regensburg Mayor Joachim Wolbergs.Photographer: Armin Weigel/AP Images

Regensburg has all the attributes typical of historic German cities: a 12th century bridge across the Danube, a 500-year-old bratwurst stand, a palace with a real-life princess—and a mayor who serves on the board of the local savings bank.And as happens periodically in places across Germany, the relationship between the bank and City Hall stands at the center of a controversy. Mayor Joachim Wolbergs has been suspended pending the outcome of a trial for alleged corruption related in part to his side job as chairman of the bank’s supervisory board. The accusations involve campaign donations from a real estate developer, rights to coveted land, and a low-interest, €4.5 million ($5.2 million) loan approved while the mayor headed the board.

The trial, which started on Sept. 24, highlights what many economists say are overly cozy ties between politicians and Germany’s 385 public-sector savings banks, known as Sparkassen. Those close links are at the heart of concerns about hidden risks to the country’s financial system, which has shown signs of strain as giants Deutsche Bank AG and Commerzbank AG struggle with low profitability and strategic missteps. “The largest banking system in Germany is predominantly controlled and monitored by people whose financial expertise is questionable,” says Ralf Jasny, a business professor at the Frankfurt University of Applied Sciences.

Lieber Herr Kahl, lieber Herr Skolimowski, lieber Herr Groendahl: Wir haben keine Ahnung, wo und wie Sie Ihr Wissen über das deutsche Sparkassenwesen erworben haben. Es besteht allerdings Anlaß zu der Befürchtung, daß Sie diesbezüglich überhaupt kein Wissen haben, sondern nach dem Motto “Wir sind zu allem fähig, aber zu nichts zu gebrauchen” einfach nur Scheiße zusammengeschrieben haben.

Hätten Sie sich nämlich einmal intensiver mit dem deutschen Sparkassenwesen beschäftigt, dann wären Sie relativ schnell zu der Erkenntnis gelangt, daß ein einzelner korrupter Sparkassen-Aufsichtsrat kaum in der Lage sein wird, eine Systemkrise auszulösen. Nur weil ein einziger Apfel madig ist, behaupte ich ja auch nicht, daß Ihre ganze Apfelplantage den Bach runtergehen wird.

Von einem in Sichtweite einer 500 Jahre alten Bratwurstbude agierenden korrupten Ortsbürgermeister dann gleich einmal eine Katastrophen-Kaskade Richtung Deutsche Bank und Commerzbank zu entwickeln riecht dann doch zu sehr nach einem nur allzu durchsichtigen Giftgasangriff des angelsächsischen Finanzimperialismus im gegenwärtigen transatlantischen Spannungsfeld.

Ich kann mir auch die giftige Bemerkung nicht verkneifen, daß die eigentlich von Ihrem Berufsstand zu erwartende Gründlichkeit hätte zu Tage fördern müssen, daß in Regensburg eine Fürstin residiert, nämlich die früher durchaus maliziöse Gloria von Thurn und Taxis. Die wirklich korrekte Übersetzung wäre hier nicht “princess” sondern “sovereign”.

Ohne Zweifel sind wir uns darüber einig, daß die meisten über die politische Schiene installierten Sparkassen-Aufsichtsräte nicht den Hauch einer Ahnung vom Bankgeschäft haben. Da stimme ich dem von Ihnen zitierten Frankfurter Prof. Jasny ja vorbehaltlos zu. Das allerdings impliziert nicht permanent schlechte Entscheidungen, sondern führt im Regelfall dazu, daß die allermeisten Sparkassen-Vorstände ihre Geschäfte mit der ihnen eigenen Fachkenntnis führen können, ohne daß ihnen der Aufsichtsrat – der ja durchaus weiß daß er eigentlich keine Ahnung hat – großartig reinquasselt.

Liebe Leute von Bloomberg, da Sie ja die angelsächsische Schule vertreten, möchte ich Ihnen zurufen: Ich haue gerne mal selber auf die deutschen Sparkassen drauf, das habe ich hier auch vor ein paar Tagen erst wieder getan. Aber der Schwachsinn den Sie hier verbreiten geht dann doch zu weit und entbehrt jeder Grundlage. Für so etwas sollte sich eine renommierte Agentur wie Bloomberg eigentlich zu schade sein.

Als Pragmatiker würde ich sagen, gerade im Hinblick auf die grandios-tragische Rolle angelsächsischer Banken in der letzten Finanzkrise: Eine im Kern gute Bank mit Schwachköpfen im Aufsichtsgremium ist mir dann doch deutlich lieber als ein brilliantes Aufsichtsgremium in einer schwachköpfigen Bank wie Lehman Brothers.

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