1,00 EUR plus X

war nach gründlichem Abwägen aller mehr oder auch nur weniger nachvollziehbaren Annahmen unsere Erwartungshaltung für die im Februar anstehende nächste Ausschüttung des KanAm grundinvest. Heute erfahren wir im Fonds-Newsletter der Verwahrstelle M. M. Warburg: Am 23. Februar werden pro Anteil 1,09 EUR ausgeschüttet. Unsere entsprechende Positionierung in den letzten Wochen und Monaten mit einem Bestand von aktuell 2,775 Mio. Anteilen ist also eine ganz ordentliche Punktlandung geworden.

Ruhig auch mal ein Lob

Mindestens dem regelmäßiger Leser dieser Seite wird es vermutlich schon aufgefallen sein: Der Verfasser dieser Zeilen hat einen gewissen Hang dazu, auf das Finanzsystem im allgemeinen und auf Banken im besonderen einzudreschen.

Deshalb muß man auch mal erwähnen, wenn man positiv überrascht wurde.

Seit Anfang 2018 galt bekanntlich eine Neufassung des § 17 Investmentsteuergesetz, wonach bei unseren abwickelnden Fonds auch bei Kapitalrückzahlungen regelmäßig Kapitalertragsteuer einbehalten wurde. Erst zu Beginn des Folgejahres hatte die Depotbank dann nachzuprüfen, ob es sich tatsächlich um Kapitalrückzahlungen handelte. Die in dem Fall bei der Ausschüttung zu Unrecht einbehaltene Kapitalertragsteuer war dann zu erstatten.

Heimlich, still und leise hatte der Gesetzgeber zum 01.01.2020 den § 17 InvStG dann ein weiteres Mal verschärft. Neuerdings wird zu Unrecht einbehaltene KESt nicht mehr in jedem Fall erstattet. Vielmehr wird anhand der Einstandskurse geprüft, ob der Anleger nach Abschluß der Abwicklung eines Fonds am Ende vielleicht einen Gewinn erzielen könnte, und auf diesen nur möglicher Weise und wenn überhaupt erst in ein paar Jahren zu realisierenden Gewinn wird die Kapitalertragsteuer gleich einmal heute einbehalten und bei der §-17-InvStG-Korrektur am Jahresbeginn gekürzt. Um das richtig zu berechnen muß sich eine Bank also neuerdings jeden einzelnen Kaufkurs anschauen.

Nachdem wir mindestens bei einem Institut sogar schon bei der noch vergleichsweise einfachen Rechnung nach der alten §-17-Fassung ein unbeschreibliches Monate dauerndes Chaos erlebten, befürchteten wir dieses Jahr also das Schlimmste. Aber weit gefehlt. Auch die Bank, die uns für die Korrektur von 15 vorjährigen Ausschüttungsbuchungen letztes Jahr fast vier Aktenordner voller Storni, Neuabrechnungen, Storni der Storni und neuen Neuabrechnungen beschert hatte, kriegte das heuer Ende Januar in nur drei Bankarbeitstagen völlig ohne Komplikationen erledigt.

Wer aber steht auf dem Siegertreppchen als die schnellste und unkomplizierteste Bank? Es ist, wie auch schon in den Jahren davor, die HypoVereinsbank. Schon am 21. Januar erfolgten da sämtliche Korrekturbuchungen an einem Tag. Einige wenige Tage später als im Jahr davor, aber angesichts der noch einmal deutlich schwierigeren Materie ganz erstaunlich fix, und mit Abstand Erster.

Und heute gleich die nächste Überraschung von der HypoVereinsbank: Die Jahressteuerbescheinigung 2020 ist in der Post. Gleich mal nachgerechnet: Stimmt trotz der inzwischen ganz unerhörten Komplexität der Aufgabe auf den Cent genau überein mit dem, was unsere Buchhaltung sagt. Wir erwähnen das nur deswegen, weil es da letztes Jahr bei einer anderen Bank auch schon mal eine Abweichung von fast 200.000 EUR gab, die sich am Ende nie richtig aufklären ließ.

Ich weiß nicht, ob Sie schon wussten …

… wie sogenannte „Neo-Broker“ (keine Gebühren beim Aktienhandel und eine chice App, mit der ein Aktienkauf nur noch ein Fingerschnippen ist), Hochfrequenzhändler und Hedgefonds heute so ihr Geld verdienen. Nehmen wir zum Beispiel mal den US-Neo-Broker mit den fast programmatisch klingenden Namen Robinhood, bei dem Kunden auch winzigste Aktienpositionen kostenlos handeln können.

Die dahinterstehende Geiz-Ist-Geil- und Gratis-(Sub)Kultur findet der Verfasser dieser Zeilen, nebenbei bemerkt, schon seit Jahren echt Scheisse. Denn wenn sie nicht gerade die Dependance einer mildtätigen Stiftung sind (was in der Branche nach sicherer Kenntnis des Verfassers dieser Zeilen unüblich wäre) müssen diese Billigheimer und selbsternannten Rächer der Enterbten ja irgendwelche Einnahmen beziehen. Die erbrachte Leistung ist für mich als Kunden also mitnichten gratis. Natürlich bezahle ich dafür, wie bei jedem anderen Broker sonst auch. Aber bei diesen perfiden neuen Geschäftsmodellen erfahre ich als Kunde überhaupt nicht mehr, wie viel und womit ich überhaupt bezahle.

Nach den Kurskapriolen der GameStop-Aktie in den letzten Tagen verbot Robinhood seinen Kunden zeitweise den Handel mit GameStop-Aktien. Angeblich zu ihrem eigenen Schutz, doch bald darauf sickerten ganz andere unangenehme Wahrheiten durch. Zum Beispiel, womit Robinhood für seine Investoren trotz Gratishandel Geld verdient. Das funktioniert nämlich so: Die Daten aller eingegangenen Kundenaufträge verkauft Robinhood an Hochfrequenzhändler und Hedgefonds, ehe die Kundenaufträge überhaupt an die Börse weitergeleitet werden. Die Datenkäufer sehen dann, wohin der Hase läuft, und können offensichtlich ganz ungeniert und von keiner Finanzaufsicht behelligt „frontrunning“ betreiben. Na gut, wegen Täuschung seiner Kunden bekam GameStop von der Aufsicht Ende 2020 eine Strafe von 65 Mio. $ aufgebrummt – aber das perfide Spiel läuft ja trotzdem munter weiter.

Als durch die GameStop-Kapriolen einige Großspekulanten in’s Trudeln kamen, unterbrach Robinhood den Handel in GameStop-Aktien nicht etwa zum Schutz seiner millionenfachen Billigheimer-Kundschaft, sondern zum Schutz der Hochfrequenzhändler und Leerverkäufer, also der übelsten Sorte von Spekulanten, von denen Robinhood nun leider mal seine einzigen Einnahmen bezieht. So war das doch schon immer: Wessen Brot ich fress, dessen Lied ich sing …

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, lieber Leser. Ich jedenfalls kriege jedes Mal einen Brechreiz, wenn ich so etwas höre. Die Finanzmärkte sind zu einem Augias-Stall verkommen, der dringend gründlich ausgemistet gehört.

Noch immer hat kaum jemand begriffen, daß Finanzmärkte als solche volkswirtschaftlich völlig ohne Wert und nur noch Spielcasinos sind, sobald sie nicht mehr unmittelbar die Kapitalversorgung der Realwirtschaft betreiben. Kassageschäfte in Aktien sind o.k. (Options- und Termingeschäfte oder Leerverkäufe dagegen nicht!), Anleihen sind o.k., Investmentfonds zur Bündelung der Kleinsparergelder auch noch. Doch alles andere, was an heutigen Finanzmärkten als „Produkte“ herumgeistert, ist für die Volkswirtschaft ohne jeden Wert oder Nutzen (außer in Form von Gebühreneinnahmen für die Kreateure der heißen Luft in Tüten). Alles andere ist nämlich ex definitione ein Nullsummenspiel, bei dem der eine genau so viel verliert wie der andere gewinnt.

Und auch das gehört zur traurigen Wahrheit: Auch die CS Realwerte AG tut nichts volkswirtschaftlich wirklich Begrüßenswertes, sondern lebt als Müllabfuhr am Ende der ganzen Nahrungskette bis heute lediglich von der teilweisen Aufholung der Verluste, die eine Vielzahl größerer und kleinerer Anleger in der letzten Finanzkrise erlitten hatten.

Am Rande eines besonders großen Abgrunds standen wir ja bereits einmal: Nach dem „Black Friday“ 1929. Die Erkenntnis, daß außer Kontrolle geratene Finanzmärkte nicht nur eine Volkswirtschaft, sondern die ganze Gesellschaft schachmatt setzen können (mit allen bekannten schrecklichen Folgen), diese Erkenntnis hatte man damals ja auch schon. Als Ergebnis blieben weltweit für viele Jahrzehnte beispielsweise Termingeschäfte und Leerverkäufe verboten. Überhaupt war an den Finanzmärkten alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt war.

Das war gut so, und muß dringend wieder so werden. Wenn wir die Welt vor einer nächsten schweren Finanzkrise bewahren wollen, gibt es keinen anderen Weg. Denn Finanzmärkte, die man nicht unter Kuratel stellt, sondern „nur“ beaufsichtigt, geraten am Ende wegen des unbändig kreativen Eigennutzes der Akteure eben doch immer außer Kontrolle. Die Hexenmeister werden immer schneller und vor allem ungleich kreativer sein als eine noch so bemühte Aufsicht. Einen Fall Wirecard hätte in unserem viel zu liberalen Finanzsystem keine noch so fähige Aufsicht verhindern können. Denn Strafe und vielleicht Verbot sowie der ebenso dümmliche wie bisher stets folgenlose Ruf nach Konsequenzen folgen ja erst, nachdem das Kind längst in den Brunnen gefallen ist. Und da ist es dann halt einfach viel zu spät. Schließlich entwickeln Finanzmärkte ein völlig unangemessenes Eigenleben, und ganz Größenwahnsinnige sprechen dann sogar von einer „Finanzindustrie“ – die simple Dienstleister ohne eigene volkswirtschaftlich greifbare, also konsumierbare Produkte aber niemals sein können.

Seinen Lauf nahm das Unheil 1983 mit dem „Big Bang“, den die Thatcher-Regierung in einer Vereinbarung mit der London Stock Exchange einläutete. Die seitdem weltweit erfolgten Deregulierungen haben die Büchse der Pandora geöffnet, und es ist absolut zutreffend, Margaret Thatcher als die Mutter aller modernen Finanzkrisen zu titulieren.

Nur scheint die Menschheit aus der Vergangenheit leider nichts, aber auch gar nichts gelernt zu haben, wenn man sich die Entwicklungen heute so anschaut (siehe Robinhood und GameStop, aber leider auch bei uns solche Krebsgeschwüre wie scalable, von denen man jetzt zwischen Glücksspiel-Werbung und Masked-Singer-Ankündigungen sogar schon Fernsehwerbung sieht).

Ganz im Gegenteil. Durch skrupellose Verwendung moderner Technik auf den zeitüblichen Kommunikationsgeräten eines diesbezüglich meistenteils völlig kenntnisfreien Publikums erwecken diese verantwortungslosen Casino-Kapitalisten bei einer ganzen neuen Generation den Eindruck: Geld anlegen an der Börse hat nichts mit kluger und sinnvoller Recherche, Erweiterung des eigenen Wissens und fundierter Entscheidung zu tun, sondern ist eigentlich nichts anderes als Gaming. Hauptsache vermeintlich gratis und Zocken schon mit ein paar Euro. Alles nur des eigenen ungezügelten Profitinteresses wegen. Nur weiter so, Ihr Fintech-Gierschlunde, wenn die Karre demnächst völlig im Dreck festfahren soll.

Die hässliche Fratze des US-Internet-Imperialismus

Die Unverfrorenheit, mit der US-amerikanische Internet-Konzerne ganz selbstverständlich die Privatsphäre der Nutzer ausspionieren, geht dem Verfasser dieser Zeilen schon lange tierisch auf den Sack. Es kann nicht in Ordnung sein, daß der Internet-Nutzer zum Freiwild des Monopolkapitalismus wird, indem er sich durch permanente Preisgabe seiner Daten immer effizienter manipulierbar macht. Wann endlich greift die Welt zur Schrotflinte und verpasst den Googles, Amazons und ebays dieser Welt mal eine satte Ladung Blei auf den Allerwertesten?

Mit welch erpresserischen Methoden besagte Konzerne versuchen, ihre Macht noch weiter zu festigen, durften wir gerade diese Woche mal wieder am Beispiel ebay erleben.

Bekanntlich haben wir vor drei Jahren einer aus Montenegro geflüchteten jungen Frau bei der Aktien-Gesellschaft für Historische Wertpapiere eine Ausbildung ermöglicht. Im Rahmen dieser Ausbildung hat sie sehr selbständig auf ebay einen Shop als „princess of stocks“ aufgebaut und stellt da nun munter Historische Wertpapiere ein. Eine sehr effektive Ausbildung durch „learning by doing“, wo sie von der Produktauswahl über die Produktpräsentation bis hin zur Auftragsabwicklung alles lernt. Jedenfalls bis vorgestern. Denn vorgestern zeigte ebay mal wieder ganz ungeschminkt die hässliche Fratze des US-Internet-Imperialismus.

Bisher war es ja so, daß der ebay-Käufer dem Verkäufer das geschuldete Geld schickte, der schickte dann die Ware, und gut war’s. Schon vor Monaten gab es aber Bestrebungen von ebay, die Zahlungen Käufer > Verkäufer nicht mehr direkt laufen zu lassen, sondern das über ebay abzuwickeln. Damals hatten die ebay-Deppen die Rechnung aber ohne den deutschen Fiskus gemacht, der messerscharf schloß, daß ebay dann eben für alle über ebay zustande gekommenen Umsätze in Deutschland umsatzsteuerpflichtig sei.

Ruhe hat es dem Datenkraken aber nicht gelassen, und jetzt sind sie auf eine ganz perfide Idee gekommen: Um die Umsatzsteuerpflicht zu umgehen, aber trotzdem das gewünschte Ergebnis zu erzielen (totale Kontrolle über die durch ebay generierten Zahlungsströme), macht sich ebay seit Monaten anheischig, als Zahlungsverkehrsdienstleister zwischen dem Verkäufer und dem Käufer dazwischengeschaltet zu werden. Wofür der Verkäufer, nebenbei erwähnt, natürlich noch mal extra ein paar Prozente an ebay abzudrücken hat. An dieser „Dienstleistung“ hatten wir jedoch kein Interesse und haben die aufdringliche Werbung dafür regelmäßig weggeklickt.

Vorgestern war nun Schluß mit lustig. Denn ebay stellte ganz unverfroren das Ultimatum: Entweder Ihr nehmt unser freundliches kostenpflichtiges Angebot, Euch die Zahlungsabwicklung wegzunehmen, endlich einmal an, und zwar sofort, oder Ihr werdet als Verkäufer auf ebay gesperrt. Und zwar sofort.

Würde man dagegen mit einer einstweiligen Verfügung vorgehen, bekäme man wahrscheinlich sogar Recht. Denn der Verfasser dieser Zeilen ist immer noch in dem altmodischen, aber juristisch einwandfreien Denken verhaftet: Wenn ich in einem Vertragsverhältnis etwas ändern möchte, dann muß ich mit dem Vertragspartner reden, und nach ergebnislosen Verhandlungen am Ende nötigen Falls eine Änderungskündigung aussprechen. Aber dem Vertragspartner bei einer nur einseitig gewollten grundsätzlichen Veränderung des Vertragsverhältnisses einfach die Pistole auf die Brust setzen und sagen: Unterschreiben, oder Du bist raus bei ebay – das sind Wildwestmethoden, die vor keinem deutschen Gericht Bestand hätten. Nur: ebay setzt natürlich darauf, daß die kleinen Verkäufer in einer schwachen Position sind und sich diesen Rechtsstreit gar nicht leisten können oder wollen.

Schade. „Princess of stocks“ ist nun Geschichte. Denn erpressen lassen wir uns von diesen monopolkapitalistischen Arschlöchern nicht.

Der Friseur

„Mama, wann macht eigentlich der Friseur wieder auf?“ – „Ich bin nicht Mama, mein Sohn. Ich bin Papa.“

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