SEB Immoinvest: Pech gehabt

Über die Norges Bank Investment Management (NBIM) kauft Norwegens Staatsfonds für 677 Mio. EUR von der kanadischen Oxford Properties Group 50 % des Sony Centers in Berlin. Das Sony Center besteht aus acht Gebäuden am Potsdamer Platz. Es wurde nach der Wende auf der mauerbedingten Brache im Herzen der Stadt hochgezogen. Dass der größte Investor der Welt hier seine bisher umfangreichste Einzelinvestition in Berlin vornimmt gilt in der Branche als Vertrauensbeweis, stellen doch der verstärkte Trend zu Homeoffice und Onlineshopping während der Coronapandemie die Zukunft von Büro- und Einzelhandelsimmobilien zunehmend in Frage.

Die Transaktion bewertet das Sony Center mit 1,35 Mrd. EUR. Das ist ein knappes Viertel mehr als die etwa 1,1 Mrd. EUR, die Oxford Properties im Jahr 2017 bezahlt hatte.

Treue Leser erinnern sich bestimmt noch: Ein absolut vergleichbares Zwillingsportfolio, die direkt benachbarte frühere „Daimler-City“ (ein Portfolio aus sieben Bürotürmen, fünf Wohngebäuden, einem Einkaufszentrum, zwei Kinos, einem Theater und 30 Restaurants), war kurze Zeit vorher zur Jahreswende 2015/16 für geschätzte 1,3 – 1,5 Mrd. EUR an die ebenfalls kanadische Brookfield Property Partners verkauft worden. Verkäufer dieses mit weitem Abstand größten Einzelobjektes im Fonds war damals der in Abwicklung befindliche Offene Immobilienfonds SEB Immoinvest. Demzufolge dürfte dieses Portfolio heute ebenfalls etwa 25 % mehr wert sein.

Dieses Beispiel belegt einmal mehr, dass die nach der letzten Finanzkrise durch entsprechende Bestimmungen des Investmentgesetzes erzwungene Abwicklung der in Liquiditätsnöte geratenen Immobilienfonds für die Fondsanleger die denkbar schlechteste Lösung war. Gelernt hat der Gesetzgeber daraus übrigens wenig: Zwar wurde an den Ursachen der damaligen Liquiditätsnöte durch Einführung von Restriktionen bei der Anteilscheinrückgabe herumkuriert. Die ohne Wenn und Aber zur Abwicklung führenden Bestimmungen des Investmentgesetzes jedoch gelten bis heute unverändert fort.

What came down must go up

Passend zum vorherigen Beitrag sekundiert unser treuer Leser Nico L. aus N.:

Nun spricht auch die EZB-Chefin von Zinsanhebung

Die Europäische Zentralbank (EZB) steuert auf die erste Zinsanhebung seit vielen Jahren zu. Ein Ende der Netto-Wertpapierkäufe sei „sehr früh“ im dritten Quartal zu erwarten, schrieb EZB-Präsidentin Christine Lagarde in einem Beitrag auf der Internetseite der Notenbank. Dies würde eine erste Zinsanhebung im Juli ermöglichen, so die Französin weiter. Lagarde stellte zwei Zinsanhebungen bis September in Aussicht.

Aus heutiger Sicht könnten die Leitzinsen dann Ende des dritten Quartals den negativen Bereich verlassen. Zurzeit beträgt der Einlagensatz der Notenbank, der für Bankeneinlagen bei der Notenbank gilt, minus 0,5 Prozent. Der Hauptrefinanzierungszins, der lange Zeit als der entscheidende Leitzins galt, in den vergangenen Jahren in der Bedeutung aber vom Einlagensatz verdrängt wurde, liegt auf der Nulllinie.

Wartezeit

Schon sechs Wochen lang hat die geneigte Leserschaft nichts mehr von mir gehört. Ehe also das Gerücht die Runde zu machen beginnt, der Verfasser dieser Zeilen und Vorstand der CS Realwerte AG habe sich längst nach Costa Rica abgesetzt, hier mal wieder ein Lebenszeichen. Doch angesichts der anhaltenden Nachrichtenarmut aus unseren abwickelnden Offenen Immobilienfonds, seien Sie bitte gleich mal vorgewarnt: Es gibt Volkswirtschaft auf die Ohren, resp. die Augen und ich mute der geneigten Leserschaft ggf. ein Investment von 1-2 h ihrer kostbaren Zeit zu.

Sofern sich der Verfasser dieser Zeilen überhaupt noch für Volkswirtschaft interessiert (was in seinem Alter aus nachvollziehbaren Gründen mehr und mehr überflüssig wird) ist sein Hauptinformant interessanter Weise die kleine Belgische Nationalbank, deren höchst zufriedener Kleinaktionär er im übrigen ist. Erst vor wenigen Tagen erfreute sie ihre Aktionäre mit einer Dividende von 138,04 EUR pro Aktie, was bei einem Aktienkurs von aktuell 1.660 EUR eine gar nicht so üble Relation ist.

Kürzlich veröffentlichte die Belgische Nationalbank eine Betrachtung zur gegenwärtigen Inflationsentwicklung, ihren Gründen und der Wahrscheinlichkeit eines Andauerns bzw. der Möglichkeit einer automatischen Beruhigung der Lage, Stichwort Basiseffekte. Zu öffnen unter nachfolgendem Link:

Please find below the latest Press Release from the National Bank of Belgium.

The return of inflation: what are its causes and will it persist?

Selten hat der Verfasser dieser Zeilen volkswirtschaftliche Lektüre so genossen, und selten hat sie seinen Erkenntnishorizont so erweitert – vor allem, weil er die aktuelle EZB-Politik plötzlich vollkommen versteht. Insofern bittet er um Nachsicht, dass er in diesem Fall nicht der Versuchung widerstehen konnte, die geneigte Leserschaft, falls interessiert, aus diesem Brunnen der Erkenntnis trinken zu lassen.

An konkreten Erkenntnissen für die CS Realwerte AG nehmen wir daraus mit: Unsere schon vor mehr als einem Jahr gewonnene Einschätzung der Inflationsgefahren war zutreffend. Nicht ganz zutreffend war dagegen unsere Erwartung, wie die EZB reagieren würde, da hatten wir mit mehr gerechnet. Dennoch: Spätestens im Verlaufe des nächsten Jahres werden unsere Fonds auf ihre umfangreichen Bankguthaben keine Verwahrentgelte mehr zu zahlen haben. Im Gegenteil: In überschaubarem Umfang werden sie sogar wieder Guthabenzinsen vereinnahmen können, und das steigert den Net Asset Value. Das Wertaufholungspotential, also unser Ertragspotential, wird dadurch auf’s Ende gesehen sogar ein paar Prozentpunkte größer, ohne dass uns andererseits wegen der schon letztes Jahr betriebenen Zinssicherung die Refinanzierungskosten aus dem Ruder laufen können.

The pope is his driver

Wo wir sowieso gerade über die Kirche gesprochen hatten, und in Zeiten, die sich ohnehin nur noch mit Galgenhumor ertragen lassen, hätte ich da noch einen für Sie. Kann man übrigens gut übersetzen und auch seinen englischsprachigen Freunden erzählen, was tatsächlich nur mit einem Bruchteil deutscher Witze funktioniert.

Der Papst besucht die USA. Ihn abzuholen steht am Flughafen sein Chauffeur mit einer dicken Limousine bereit. Raus aus der Stadt, rein in’s weite Land. Durch die Panzerglasscheibe würde ihn Giuseppe nicht hören, also meldet sich der Papst über die bordeigene Gegensprechanlage: „Giuseppe, halt mal an. Ich bin früher so gerne selbst Auto gefahren. Hier kann ja nicht groß was passieren, lass‘ uns mal die Plätze tauschen, setz‘ Du Dich bequem nach hinten, und ich fahre eine Weile.“

Gesagt, getan. Der Papst drückt natürlich ordentlich auf’s Gaspedal. Es kommt wie es kommen muss, keine 10 Meilen später wird die Limousine von einem Streifenwagen gestoppt. Der State Trooper steigt aus, geht zu dem Wagen, kuckt, kuckt noch mal, und macht dann auf dem Hacken kehrt.

Zurück im Polizeiwagen ruft er den Sheriff an. „Sheriff“, sagt er, „ich habe da wen angehalten. Über 20 Meilen zu schnell.“ – „Na und,“ unterbricht ihn der Sheriff, „was fragst Du mich denn wegen so einem Scheiß, knöpf‘ dem Mistkerl 300 $ ab und aus die Maus.“ – „Ich weiß nicht“, sagt der State Trooper zögernd, „der Kerl scheint wichtig zu sein. Deshalb rufe ich ja an.“ – „Wieso,“ fragt der Sheriff, „wer isses? Und ist der etwa wichtiger als ich?“ – „Keine Ahnung wer es ist, aber viel, viel wichtiger als Sie, Sheriff.“ – „Na wenn’s so ist, dann ruf‘ am besten den Gouverneur an.“

Die gleichen Fragen, die gleichen Antworten. „Keine Ahnung wer er ist, aber viel wichtiger als Sie, Gouverneur.“ – „Na wenn’s so ist rufst Du besser den Präsidenten an.“

Noch mal das gleiche Spiel. „Ja, doch, wahrscheinlich wichtiger als Sie, Mr. President.“ – „Fuck, was erzählst Du da für einen Blödsinn. Niemand ist wichtiger als der Präsident der Vereinigten Staaten. Also endlich raus mit der Sprache: Wer zum Teufel ist der Mann auf dem Rücksitz?“

„Ich habe wirklich nicht die leiseste Ahnung, Mr. President. Aber er muß ganz unglaublich wichtig sein. Er hat den Papst als Chauffeur.“

Verschrobene Ansichten

Jedem/er aufmerksamen Leser/in dieser Zeilen, ja, es gibt solche, die sich das immer noch regelmäßig antun, wird inzwischen zur Genüge aufgefallen sein, dass der Verfasser dieser Zeilen durchaus dazu neigt, verschrobene oder sonstwie merkwürdige Ansichten zu haben.

Aber ich frage Sie: Ist das ein Wunder bei einem inzwischen ziemlich aus der Zeit gefallenen Menschen, der wegen seines anfänglichen Berufswunschs „Priester“ in der Schule noch Latein und Altgriechisch lernte? Der anschließend aus lauter Verzweiflung erst mal eine Banklehre machte, dann als Spezialist für Exportfinanzierungen gewisse Einblicke vor allem in Gepflogenheiten im damaligen Ostblock bekam, ein Gastspiel als geschäftsführender Gesellschafter eines Spezialmaschinenbauers gab und am Ende seit mehr als drei Jahrzehnten als Finanzhistoriker in verstaubten antiken Wertpapieren rumwühlt?

Wobei den Verfasser dieser Zeilen nun aber das Gefühl beschleicht, das mit dem ersten Berufswunsch müsse der geneigten Leserschaft vielleicht doch etwas näher erklärt werden. Das war nämlich so: In unserer Kirchengemeinde in Goslar (also echte Diaspora) hatten wir einen stockkonservativen alten Dechanten. Und wir Ministranten wussten genau: Wenn man im praktischer Weise in der Ministranten-Sakristei befindlichen unverschlossenen Schaltkasten ein paar Schalter betätigte und die Glocken damit in einer Weise läuten ließ, die der gerade beim Frühstück im 300 m entfernten Pfarrhaus befindliche Dechant unweigerlich als unpassend detektierte, dann ließ der Herr Dechant Frühstück Frückstück sein, warf sich seinen Talar über, raste in die Kirche – und konnte dann doch niemanden dieses Frevels überführen, denn die katholische Kirche leistete sich damals mindestens bei den Sonntagsgottesdiensten immer noch zwei Ministranten. Welcher von beiden war’s nur gewesen?

Dazu kam, dass die Herrenkleiderwerke Odermark in Goslar damals hunderte von spanischen Gastarbeitern beschäftigten. So viele, dass die aus ihrem Mutterland einen eigenen Priester abgestellt bekamen, der in Goslar in der Kirche jeden Sonntag eine spanische Messe hielt. Dieser spanische Priester hatte nicht nur einen beachtlichen Vorrat spanischen Messweins dabei, nein, er hatte zudem den unschätzbaren Vorzug, gar keinen Wein zu mögen. Eine Diensteinteilung bei seiner Messe war also unter uns Ministranten hoch begehrt, konnte man sich doch nach der Messe in der Priestersakristei unter dem milde lächelnden Blick des Monsignore einen „wenzigen Schlock“ seines gar nicht angerührten Messweins gönnen, oder auch ein paar mehr.

Und schließlich hatten wir ja nicht nur den alten Zausel von Dechanten (nach meiner Erinnerung hieß er Bührig), sondern auch noch ein oder zwei hoffnungsfrohe junge Kapläne, die es Anfang der 1970er Jahre sogar wagten, im sonntäglichen Hochamt an einem Wahlsonntag bei ihrer Predigt ausdrücklich nicht zur Wahl der CDU aufzurufen – was dann noch während des Gottesdienstes in der Kirche eine Sondersitzung des CDU-Kreisvorstands nach sich zog.

Einer der besagten Kapläne also (ich werde mich hüten seinen Namen zu nennen, denn er wohnt jetzt hoch betagt direkt in meinem Nachbardorf) rauchte wie ein Schlot und war dem Alkohol nicht besonders abgeneigt. Als aufrechter Christenmensch teilte er gerne, und so kam der damals 16-jährige Verfasser dieser Zeilen in der kirchlichen Laienspielgruppe einmal in der Woche mit den Herren Benson & Hedges und Johnny Walker in’s Gespräch.

Nach dieser langen Vorrede wird der geneigten Leserschaft hoffentlich verständlich geworden sein, dass dem Verfasser dieser Zeilen angesichts gemachter Erfahrungen der Beruf des Priesters für eine gewisse Zeit ein durchaus anstrebenswerter erschien. Womit wir uns dann endlich wieder mit Inbrunst seiner anfangs erwähnten Verschrobenheit widmen können. Die sich, präzise ausgedrückt, sogar bei der Geldanlage nicht wirklich verbergen lässt.

Die Idee mit der CS Realwerte AG war ja schon abgefahren genug. Aber da vom Verfasser dieser Zeilen ja inzwischen quasi erwartet wird, hier Dinge zum Besten zu geben, die bei den meisten Lesern erst einmal ein ungläubiges „häääh??“ auslösen, komme ich diesem Wunsch auch heute gern wieder nach.

Haben Sie schon mal von der „Banque National Belgique“ gehört? Natürlich haben Sie. Wie von der Bundesbank, der Banque de France und der Federal Reserve Bank selbstverständlich auch. Aber wussten Sie auch, dass Sie bei der Banque National Belgique bis heute Aktionär werden können? 50 % der Aktien der belgischen Notenbank gehören verfassungsgemäß dem belgischen Staat, aber die anderen 50 % (was übrigens lediglich 200.000 Aktien sind) werden ganz regulär an der Euronext gehandelt.

Ist übrigens nicht einmal ein Einzelfall. Auch bei der Schweizerischen Nationalbank und bei der Bank of Greece (nicht verwechseln bitte mit der – privaten – National Bank of Greece!) können Sie bis heute ganz normal durch Kauf über die Börse Teilhaber einer Notenbank werden. Und bis Kriegsende konnten Sie z.B. auch noch Anteilscheine der Deutschen Reichsbank erwerben – die die Deutsche Bundesbank nach 1949 dann allerdings in allmählich rückzahlbare Genußscheine umwandelte.

Die Aktien der Schweizerischen Nationalbank waren vor Jahren mal eine ganz tolle Nummer (einer unserer Aktionäre machte mich damals auf unserem Sommerfest nach der Hauptversammlung darauf aufmerksam). Aber inzwischen hat sich der Kurs vervielfacht und scheint nicht mehr sonderlich attraktiv. Die Aktien der Bank of Greece sind ziemlich markteng. Einen Blick lohnen sie dennoch, gibt es doch seit Jahr und Tag jeweils im März/April eine Dividende von 0,672 EUR. Vor allem aber die Banque Nationale de Belgique, die könnten Sie sich wirklich einmal ansehen.

Gerade heute erfährt der mit dem Umgraben von Sperrmüll vertraute Investor, daß die Bank am 20.5. eine Dividende von 96,63 EUR zu zahlen gedenkt. Brutto 5,6 % Dividendenrendite bei einer Bank, die als Notenbank ex definitione niemals pleite gehen kann (weil sie sich ihr Geld ja selber druckt), das ist doch, um auf den Anfang zurückzukommen, ein Wort zum Sonntag – oder, für unsere Leserschaft mosaischen Glaubens, ein Wort zum Samstag bzw. die muslimischen Leser/innen ein Wort zum Freitag.

Wenn Sie ein bisschen mehr Dividenden-Historie wollen, googeln Sie einfach „Banque Nationale Belgique Dividende“. Da finden Sie eine Übersicht der BNB selbst für die letzten 20 Jahre. Gewöhnlich kann jeder. Wer hier mitliest will doch eher das Ungewöhnliche, nicht wahr?

In einer Welt, in der Anstand und Moral zunehmend weniger einen Platz finden, möchte der Verfasser dieser Zeilen zum Schluß ausdrücklich auf eine mögliche Interessenkollision hinweisen, ausgelöst durch Kauf von Stück -50- BNB-Aktien am 10.03.2022. In dem Sinne, alles Gute, und bleiben Sie gesund.

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