Das Eichhörnchen-Prinzip

Dieses Thema haben wir schon sehr oft angesprochen: Rückstellungen. Bekanntlich besitzen die abwickelnden Fonds keine eigene Rechtspersönlichkeit, sondern sind lediglich rechtlich unselbständige Sondervermögen der jeweiligen Kapitalanlagegesellschaften bzw. später der Depotbanken (heute Verwahrstellen genannt). Die aber haben eine Höllenangst davor, durch irgendwelche Vorkommnisse im Sondervermögen gleich mal in die Durchgriffshaftung zu geraten. Eine der Folgen dieses Umstandes ist eine mehr als zögerliche Auskehrung der im Prinzip tonnenweise vorhandenen (und mit unschönen Negativzinsen nutzlos auf Bankkonten liegenden) Liquidität der abwickelnden Sondervermögen. Eine andere Folge ist eine ausgeprägte Übervorsicht bei der Bildung von Rückstellungen. Bei praktisch allen Fonds erwiesen sich in der Abwicklungshistorie die früher gebildet gewesenen Rückstellungen am Ende als im Schnitt Faktor Drei zu hoch. Entsprechende vermögenserhöhende Auflösungsgewinne waren später die Folge.

Weltmeister in dieser Hinsicht ist der CS Property Dynamic. Nach den zwei Ausschüttungen dieses Jahres beträgt das Fondsvermögen heute noch rd. 50 Mio. €. Im letzten Abwicklungsbericht zum 31.08.2018 waren dagegen Rückstellungen noch in Höhe von 12,6 Mio. € angegeben. Gut, die Rückstellungsquote im Verhältnis zum Fondsvermögen ist heute sicher nicht mehr  25 %, nachdem mit dem Verkauf des letzten Objektes in Krakau die exorbitant hoch dotiert gewesenen Rückstellungen für Steuern auf (tatsächlich so nicht eingetretene) Veräußerungsgewinne (3,8 Mio. €) oder aber für Instandhaltungskosten (3,6 Mio. €) oder aber für Vermietungskosten (4,5 Mio. €) wohl aufglöst wurden. Doch von den auf jeden einzelnen Anteilschein enfallenden ehedem rd. 4,80 € an Rückstellungen sollten auch nach dem allerletzten Objektverkauf plus/minus 2,00 € übrig geblieben sein, aus denen man sich peu-á-peu noch ein paar schöne Wertaufholungen erhoffen konnte. Nicht umsonst ist dieser an sich nur noch winzige Fonds nämlich bis heute eine der drei größten unserer Depotpositionen. Oder, genauer gesagt, uns gehört beim CS Property Dynamic mit 15 % aller umlaufenden Fondsanteile ein Vielfaches von dem, was unsere üblichen Beteiligungsquoten bei anderen Fonds sind.

Ausnahmsweise einmal Musik in unseren Ohren ist deshalb folgende am Freitag veröffentliche Meldung der sonst meistens schrägtönig klingenden Commerzbank als Verwahrstelle des CS Property Dynamic:

Per 31. Juli 2019 hat sich der Anteilwert des CS PROPERTY DYNAMIC von 18,92 Euro um 0,51 Euro auf 19,43 Euro je Anteilschein geändert.
Ursache für diese Änderung des Anteilwertes war insbesondere die Auflösung von nicht mehr benötigten Rückstellungen für bereits veräußerte Liegenschaften in Deutschland und Polen, so dass sich ein positiver Effekt auf das Nettofondsvermögen und somit den Anteilwert ergeben hat.

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