Deutsche Post revolutioniert die Betriebswirtschaft

Hin und wieder kommt hier ja auch mal ein Anekdötchen aus dem eigentlichen Kerngeschäft unserer Firmengruppe, nämlich dem Handel mit Historischen Wertpapieren.

Als Versandhändler kommt man ja irgendwie an der Deutschen Post nicht vorbei. Obwohl die einen (vor und nach ihrer Monopolzeit) seit Jahrzehnten nach Strich und Faden betrogen, belogen, verarscht und gedemütigt haben. Folglich haben auch wir mit diesem Stamokap-Verein bis heute zu tun, obwohl wir ihn, wenn wir nur könnten wie wir wollten, am liebsten schon längst auf den Mond geschossen hätten.

Heute ist es mal wieder so weit, daß die Volksseele überkocht. Der Preis für die “Warensendung Kompakt” steigt von 0,90 Euro auf 1,30 Euro. Das sind mal fix mehr als 44 % auf einen Schlag. Das ist schon schlimm genug, aber die an Kundenveralberung nicht zu überbietende Begründung schlägt dann wirklich dem Faß den Boden aus:

“Nach langjähriger Preisstabilität ist in Anbetracht allgemeiner Kostensteigerungen die Anpassung der Preise notwendig.” O.k., so weit so gut, das ist die wirklich dämliche aber immer wieder gern verwendete Standardfloskel. Doch dann kommt’s: “Ferner sehen wir uns mit einem stetig zunehmenden Durchschnittsvolumen der Warensendung konfrontiert, das zusätzliche Investitionen in die Optimierung der Prozesse zur langfristigen Sicherheit der Qualität unserer Dienstleistung erforderlich macht.”

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. “Wir sehen uns mit einem zunehmenden Volumen konfrontiert.” Auf deutsch:  Die Kunden haben scheinbar mehr Aufträge erteilt. Bisher hatten wir immer gedacht, daß sich jede Firma darüber freuen würde. Doch hier: Was erlauben Kunde??!! Wie kann man denn bloß auf Konfrontationskurs zur heiligen Mutter Deutsche Post gehen und ein zunehmendes Durchschnittsvolumen verursachen und damit diese bedauernswerten Menschen zu Preiserhöhungen zwingen?

Auch unser betriebswirtschaftliches Grundwissen, dessen Kernsätze wir bisher für in Stein gemeißelt hielten, ist über Nacht in Frage gestellt. Bisher glaubten wir, ein steigendes Volumen zöge grundsätzlich eine Kostendegression nach sich. Doch hat die Betriebswirtschaft das Problem der sprungfixen Kosten offenbar seit Jahrzehnten systematisch unterschätzt. Jedenfalls bei der Deutschen Post, in deren Kostenstrukturen bei steigenden Volumina nicht nur sprungfixe, sondern sogar hochsprungfixe Auswirkungen unvermeidlich angelegt scheinen.

Wir geben ganz ehrlich zu: Als der Verfasser dieser Zeilen noch jung, dynamisch und angesichts der Bankschulden zum Erfolg verurteilt war, mit anderen Worten: Wegen des täglichen wirtschaftlichen Drucks emotional noch ganz anders eingefärbt war als heute – da gab es Zeiten, wo wir eine Fernseh-Show zur Auswahl des schlimmsten Postmitarbeiters des Monats gut gefunden hätten. Mit öffentlichem Aufknüpfen an einer Laterne am Schluß der Sendung. An Tagen wie diesen blitzt diese eigentlich längst ad acta gelegte Idee mal wieder durch.

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