Entschuldigen Sie my perfect English

Nun müssen wir uns heute schon zum zweiten Mal für sprachliche Unzulänglichkeiten unserer Beiträge hier entschuldigen. Dieses Mal nicht, weil wir Ihnen einen holprig in’s Deutsche übersetzten polnischen Beitrag liefern, sondern weil wir einen in englisch verfassten Bloomberg-Beitrag dann doch besser in der Original-Version zitieren.

We do hope our geneigte Readership is the English sufficient mighty …

How Germany’s Little Savings Banks Threaten Big Financial Woes

The country’s 385 savings banks, known as Sparkassen, could destabilize the economy.

Regensburg Mayor Joachim Wolbergs.Photographer: Armin Weigel/AP Images

Regensburg has all the attributes typical of historic German cities: a 12th century bridge across the Danube, a 500-year-old bratwurst stand, a palace with a real-life princess—and a mayor who serves on the board of the local savings bank.And as happens periodically in places across Germany, the relationship between the bank and City Hall stands at the center of a controversy. Mayor Joachim Wolbergs has been suspended pending the outcome of a trial for alleged corruption related in part to his side job as chairman of the bank’s supervisory board. The accusations involve campaign donations from a real estate developer, rights to coveted land, and a low-interest, €4.5 million ($5.2 million) loan approved while the mayor headed the board.

The trial, which started on Sept. 24, highlights what many economists say are overly cozy ties between politicians and Germany’s 385 public-sector savings banks, known as Sparkassen. Those close links are at the heart of concerns about hidden risks to the country’s financial system, which has shown signs of strain as giants Deutsche Bank AG and Commerzbank AG struggle with low profitability and strategic missteps. “The largest banking system in Germany is predominantly controlled and monitored by people whose financial expertise is questionable,” says Ralf Jasny, a business professor at the Frankfurt University of Applied Sciences.

Lieber Herr Kahl, lieber Herr Skolimowski, lieber Herr Groendahl: Wir haben keine Ahnung, wo und wie Sie Ihr Wissen über das deutsche Sparkassenwesen erworben haben. Es besteht allerdings Anlaß zu der Befürchtung, daß Sie diesbezüglich überhaupt kein Wissen haben, sondern nach dem Motto “Wir sind zu allem fähig, aber zu nichts zu gebrauchen” einfach nur Scheiße zusammengeschrieben haben.

Hätten Sie sich nämlich einmal intensiver mit dem deutschen Sparkassenwesen beschäftigt, dann wären Sie relativ schnell zu der Erkenntnis gelangt, daß ein einzelner korrupter Sparkassen-Aufsichtsrat kaum in der Lage sein wird, eine Systemkrise auszulösen. Nur weil ein einziger Apfel madig ist, behaupte ich ja auch nicht, daß Ihre ganze Apfelplantage den Bach runtergehen wird.

Von einem in Sichtweite einer 500 Jahre alten Bratwurstbude agierenden korrupten Ortsbürgermeister dann gleich einmal eine Katastrophen-Kaskade Richtung Deutsche Bank und Commerzbank zu entwickeln riecht dann doch zu sehr nach einem nur allzu durchsichtigen Giftgasangriff des angelsächsischen Finanzimperialismus im gegenwärtigen transatlantischen Spannungsfeld.

Ich kann mir auch die giftige Bemerkung nicht verkneifen, daß die eigentlich von Ihrem Berufsstand zu erwartende Gründlichkeit hätte zu Tage fördern müssen, daß in Regensburg eine Fürstin residiert, nämlich die früher durchaus maliziöse Gloria von Thurn und Taxis. Die wirklich korrekte Übersetzung wäre hier nicht “princess”, sondern “sovereign”.

Ohne Zweifel sind wir uns darüber einig, daß die meisten über die politische Schiene installierten Sparkassen-Aufsichtsräte nicht den Hauch einer Ahnung vom Bankgeschäft haben. Da stimme ich dem von Ihnen zitierten Frankfurter Prof. Jasny ja vorbehaltlos zu. Das allerdings impliziert nicht permanent schlechte Entscheidungen, sondern führt im Regelfall dazu, daß die allermeisten Sparkassen-Vorstände ihre Geschäfte mit der ihnen eigenen Fachkenntnis führen können, ohne daß ihnen der Aufsichtsrat – der ja durchaus weiß daß er eigentlich keine Ahnung hat – großartig reinquasselt.

Liebe Leute von Bloomberg, da Sie ja die angelsächsische Schule vertreten, möchte ich Ihnen zurufen: Ich haue gerne mal selber auf die deutschen Sparkassen drauf, das habe ich hier auch vor ein paar Tagen erst wieder getan. Aber der Schwachsinn den Sie hier verbreiten geht dann doch zu weit und entbehrt jeder Grundlage. Für so etwas sollte sich eine renommierte Agentur wie Bloomberg eigentlich zu schade sein.

Als Pragmatiker würde ich wohl doch sagen, gerade im Hinblick auf die grandios-tragische Rolle angelsächsischer Banken in der letzten Finanzkrise: Eine im Kern gute Bank mit Schwachköpfen im Aufsichtsgremium ist mir deutlich lieber als ein brilliantes Aufsichtsgremium in einer schwachköpfigen Bank wie Lehman Brothers.

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