Klare Aussagen und unklare Aussagen

Vorgestern ließ der SEB ImmoInvest per Rundmail wissen: „Im Rahmen der regelmäßigen halbjährlichen Auszahlungen werden am 15. Juli 2019 EUR 0,83 pro Anteil an die Anleger ausgeschüttet.“

Das ist eine klare Aussage.

Ferner erfährt der interessierte Anleger, woher das Geld für die Ausschüttung stammt: „Die Liquidität stammt aus den drei Verkäufen von zwei Objekten in Italien sowie einer Immobilie in Deutschland, die Ende 2018 / Anfang 2019 veräußert werden konnten. Weitere Liquidität stammt aus einem aktuellen Verkauf: Das Fondsmanagement konnte im Mai 2019 ein Objekt in den USA veräußern. Das Bürogebäude in Wayne im Bundesstaat Pennsylvania im Großraum von Philadelphia wurde 2006 für den Fonds erworben. Der Verkauf erfolgte unterhalb des zuletzt festgestellten Verkehrswerts und hat somit einen negativen Effekt auf den Anteilwert.“

Das ist eine unklare Aussage.

Denn im Jahr 2006 hatte der SEB ImmoInvest in Wayne mit dem „Chesterbrook/Glenhardie Portfolio“ insgesamt fünf Bürogebäude in Wayne im Großraum Philadelphia erworben. Welches davon wurde denn nun verkauft? Und wie groß ist der negative Effekt? Und ist er im Anteilscheinwert schon verarbeitet oder noch nicht?

An dem Gesamtportfolio mit einem damals in den Büchern stehenden Verkehrswert von rd. 200 Mio. EUR hatte sich letztes Jahr der Sanierungsprojektierer Rubenstein Partners für angabegemäß 190 Mio. USD (rd. 170 Mio. EUR) interessiert gezeigt – doch der Deal platzte zur Jahreswende. Aus gewöhnlich informierten Kreisen verlautet, Rubenstein Partners habe die Verhandlungen nur für das 1,7 Mio. Quadratfuß umfassende Chesterbrook Portfolio kürzlich wieder aufgenommen, und das nebenan gelegene mit 255.000 Quadratfuß deutlich kleinere Glenhardie Portfolio (letzter Verkehrswert: 27,34 Mio. EUR) werde in einem separaten Deal nunmehr an die Buccini Pollin Group aus Wilmington, Delaware verkauft.

Letzteres (der Verkauf des Glenhardie Portfolios) ist deshalb die wahrscheinlichste Lösung des Rätsels – aber es wäre ja auch wirklich zu viel verlangt gewesen, das bei der Verkaufsmeldung gleich etwas konkreter mitzuteilen.

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