Die immanente Dummheit von Blechgehirnen

Blechgehirne können schneller rechnen als Menschen. Besser entscheiden können sie nicht, und werden es auch nie können. Dies nicht zu begreifen ist der grundsätzliche Denkfehler von Menschen, die sich für einen solchen Schwachsinn wie angebliche Künstliche Intelligenz begeistern können. Denn die Dummheit der Blechgehirne holt uns im täglichen Leben ständig wieder ein. Und zwar in der Form, daß sich nicht etwa die Maschine dem Menschen anpassen muß, sondern daß man von den Menschen (und zwar gerade wegen ihrer größeren Intelligenz) verlangt, daß sie sich den öfter mal äußerst begrenzten Fähigkeiten von Maschinen anpassen – und mehr oder gar Besseres deshalb gefälligst nicht mehr zu fordern haben.

Vielleicht haben Sie schon einmal den Begriff „Zielmarktdefinition“ gehört. Seit mehr als einem Jahr muß der Emittent eines Wertpapiers eine Zielmarktdefinition liefern, aus der zu erkennen ist, ob das Papier von der Risikoklasse her zum Risikoprofil des Anlegers passt, der es kaufen möchte. Und das gleicht dann irgendein Computer ab.

Eigentlich kann uns das völlig schnurzpiepe sein, denn als professioneller Anleger dürfen wir alles kaufen was die Höllenschlunde der Kapitalmärkte so toxisches ausspucken, selbst den giftigsten Giftmüll. Wenn, ja wenn es da nicht so etwas bescheuertes wie angebliche Künstliche Intelligenz gäbe, die sich mit unserem Wertpapier-Kaufwunsch beschäftigt.

Da passiert dann genau das, was der gesunde Menschenverstand nicht mehr nachvollziehen kann. Bei unseren abwickelnden Offenen Immobilienfonds haben sich die faulen Säcke von Kapitalverwaltungsgesellschaften nämlich selbst dieses bißchen Arbeit einfach mal gespart und haben gesagt: Die Produkte werden ja gar nicht mehr vertrieben (sprich: wir haben keinen Profit mehr), deshalb machen wir uns damit auch nur noch so wenig Arbeit wie möglich. Dass wir damit den ehemals heiß umworbenen Anlegern die uns ihr Geld anvertraut hatten noch mal so richtig in’s Knie schiessen, das ist uns herzlich egal. Investmentgesellschaften und Verantwortungsgefühl? Seit wann denn das, bitte schön? Und deshalb stellen wir mal auf jeden Fall keine Zielmarktdefinition mehr in die Systeme ein.

Ein Mensch bei der Orderannahme würde jetzt messerscharf schließen: Wenn die CS Realwerte AG als Professioneller sowieso ohne jede Ausnahme alles kaufen darf, dann ist es völlig egal, was bei einem abwickelnden Fonds in der Zielmarktdefinition steht – die CS Realwerte AG darf ihn ja sowieso kaufen. So vernünftig würde wie gesagt ein Mensch denken. Ein Computer leider nicht. Der stellt bei der Ordereingabe fest: Da ist keine Zielmarktdefinition, mit der ich vergleichen könnte. Auch wenn im Falle der CS Realwerte AG das Ergebnis immer wäre: Dürfen ’se kaufen – wenn ich, der dumme Computer, mangels Daten erst gar nicht vergleichen kann, dann route ich den Auftrag eben nicht durch. Ende Gelände.

Das ist der ganz banale Grund, warum wir seit Anfang 2018 nur noch über eine einzige unserer Banken Kaufaufträge abgewickelt bekamen. Diese einseitige Abhängigkeit war uns natürlich nicht sehr angenehm. Wobei eine Lösung denkbar einfach war: Für viele „normale“ Banken ist das Fehlen der Zielmarktdefinition zwar ein unlösbares Problem. Und wegen eines einzigen betroffenen Kunden, wo das zu einem unerwünschten Ergebnis führt, programmiert auch keine Bank ihre Handelssoftware um. Aber einem Discountbroker z.B. ist das völlig egal, der macht ja keinerlei Beratung und kann deshalb jeden Auftrag durchrouten. Witziger Weise und vollkommen unerwartet ist es z.B. aber auch einer örtlichen Sparkasse egal: Die könnte Kaufaufträge für abwickelnde Offene Immobilienfonds nach wie vor entgegen nehmen.

Insofern können wir Ihnen heute die erfreuliche Mitteilung machen, daß die einseitige Abhängigkeit von dem erwähnten Institut nicht mehr fortbesteht.

By the way, sollten Sie auf der Suche nach einem wirklich tollen Buch für sich oder eine(n) Ihrer Lieben sein: Der Verfasser dieser Zeilen kann Ihnen da wirklich QUALITYLAND von Marc-Uwe Kling empfehlen. Eine großartige Zukunftssatire über die Verheißungen und die Fallstricke der Digitalisierung. Aus dem Klappentext:

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Trotzdem beschleicht den Maschinenverschrotter Peter immer mehr das Gefühl, dass mit seinem Leben etwas nicht stimmt. Wenn das System wirklich so perfekt ist, warum gibt es dann Drohnen, die an Flugangst leiden, oder Kampfroboter mit posttraumatischer Belastungsstörung? Warum werden die Maschinen immer menschlicher, aber die Menschen immer maschineller?

Erfahren Sie, warum der Android John of Us zum Präsidenten von QualityLand gewählt wurde und es doch nicht lange blieb. Freuen Sie sich auf ein ganz tolles Buch, das der Verfasser dieser Zeilen nicht mehr aus der Hand legen konnte und gleich mal am Stück verschlungen hat. Wobei nicht unerwähnt bleiben darf, daß QUALITYLAND dem Verfasser dieser Zeilen wiederum von einem CS-Realwerte-Aktionär empfohlen wurde, dem die unverhohlene Fortschrittsfeindlichkeit in diesem Blog nicht verborgen geblieben war.

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