Dem CS Euroreal sein Waterloo

Daß das eine ziemliche Krücke ist, das hatten wir schon lange geahnt. Zum Glück war das über 20 Jahre alte Bürogebäude im belgischen Waterloo mit 10 Mio. EUR Verkehrswert (also einem Anteil von 1,5 % am gesamten Immobilienvermögen) das mit weitem Abstand kleinste der Restobjekte des CS Euroreal.

Nun isses verkauft. Und produzierte dabei immerhin letzten Freitag einen Rückgang beim Rücknahmewert des CS Euroreal von 5 cent pro Anteil. Bei etwas über 100 Mio. umlaufenden Anteilen sind das in Mark und Pfennig gut 5 Mio. EUR. Mit anderen Worten: Waterloo ist für kaum mehr als die Hälfte des Verkehrswertes (und nur etwas mehr als 800 EUR pro m2 vermietbarer Fläche) über den Tisch gegangen.

Kleinvieh macht auch Mist

Schon öfter hatten wir uns hier mit der Tatsache beschäftigt, daß (wegen der zumeist übervorsichtigen Bewertungen) am Schluß der Abwicklung die inzwischen zu Winzlingen zusammengeschrumpften Fonds in der einen oder anderen Schreibtischschublade immer mal wieder noch einen 100-Euro-Schein finden.

Natürlich sind die Auswirkungen als absolute Zahl recht bescheiden, wie jetzt beim AXA Immoselect. Dessen Rücknahmepreis stieg jetzt wieder einmal von 0,90 auf 0,93 EUR. Bei 48,1 Mio. Stück umlaufender Anteile waren das also gerade einmal knapp 1,5 Mio. EUR, die da beim Ausfegen des Büros aus einer Schublade gefallen waren.

Für einen Anleger, der (so wie wir) letzte Woche noch zu 0,82 EUR an der Börse arrondiert hatte, macht das aber schon einen Unterschied. 11 cent Wertaufholungspotential sind halt schon eine Ecke mehr als 8 cent.

Deshalb sind wir auch weiter ganz hin- und hergerissen: Normaler Weise wäre unsere Denke schon, daß man ein sehr gut gelaufenes Engagement ruhig einmal beenden kann, anstatt am Schluß noch dem letzten Groschen hinterherzujagen. Aber wenn, wegen der bis zuletzt vorhandenen Bewertungsreserven der Fonds, aus einem Groschen doch noch zwei werden?

Beim Thema “abwickelnde Offene Immobilienfonds” wird man halt bis heute immer noch jeden Tag ein bißchen schlauer. Und dreht bei der Anlagestrategie jeden Tag unverdrossen weiter an den Stellschrauben.

Unterirdisch wohnen und der Fortschritt

Zum Wochenende, weil es sonst nichts zu berichten gibt, wieder mal was Erwähnenswertes aus unserem Kerngeschäft. Jeder Mensch macht irgendwann seinen allerletzten Umzug und wohnt danach dauerhaft im Sousterrain. Das finden wir in jedem einzelnen Fall traurig – handelt es sich doch oft um Kunden und Sammler Historischer Wertpapiere, mit denen man jahrzehntelang verbunden war, und die man meist sogar persönlich kannte.

Bisher schrieben uns die Hinterbliebenen dann einfach einen Dreizeiler, oder schickten unsere Kataloge mit einem entsprechenden Vermerk zurück.

Das ist die eine Sache.

Die andere Sache ist die schon seit Jahren immer wieder diskutierte Frage, was eigentlich mit dem digitalen Nachlaß eines Verstorbenen passiert. Auch wenn man diese Welt physisch verlassen hat, saust man heutzutage mit seinen vielfältigen Online-Identitäten ja weiter quicklebendig durch den Äther, denn die regelmäßig saudummen Computer lesen ja keine Todesanzeigen.

An der Stelle in bekannter Fortschrittsfeindlichkeit angemerkt: So etwas wie künstliche Intelligenz sollte es (trotz des gegenteiligen Gefaseles von Politikern und Ingenieuren) nie geben! Und wir sollten es auch nie zulassen, daß eine Maschine Entscheidungen trifft, gegen die ein (möglicher Weise direkt betroffener) Mensch dann rein gar nichts mehr machen kann. Anders als mit einem Menschen kann man nämlich mit einer Maschine über ihre Entscheidung nicht diskutieren. Und diese Maschine schreckt im Falle einer Fehlentscheidung auch weder eine Bußgeldandrohung noch eine mögliche Gefängnisstrafe. Das, was einen Menschen vielleicht noch von einer Fehlentscheidung abhält, ist der Maschine egal: Sie ist und bleibt seelenlos und saudumm und kennt den Begriff “Verantwortung” nicht. Jeder, der sich in einem automatisierten Telefonsystem schon einmal mit einer Computerstimme unterhalten durfte, wird mir beipflichten.

“Du blöde Blechbüchse, ich habe jetzt echt die Schnauze voll.” – “Bitte wiederholen Sie Ihre Eingabe.” – “Ach, leck mich doch am Arsch.” – “Ich habe sie nicht verstanden.” Das ist künstliche Intelligenz. Jeder Mensch aus Fleisch und Blut hätte mich klar und deutlich verstanden, selbst wenn ihm der liebe Gott nur das denkbar kleinste Maß an natürlicher Intelligenz mitgegeben hätte.

Aber wir schweifen ab. Zurück also zu unserem Fall: Du bist tot, aber was macht Dein digitales Ich?

Diese riesige Marktlücke hat jetzt die “Columba Online Identity Management AG” aus Berlin entdeckt. Man berühmt sich, in 12 Bundesländern exclusiver und offizieller Servicepartner der Bestatterverbände zu sein. Und aus dem bekannten Dreizeiler der Hinterbliebenen werden dann für eine einfache Kündigung eines Katalog-Abonnements sechs Textseiten in DIN A 4.

Das ist Fortschritt.

Die Älteren unter unseren Lesern werden sich noch an den köstlichen Film “Der Tod steht ihr gut” erinnern. Vielleicht sollte da bald mal eine Fortsetzung gedreht werden. Wie wäre es mit “Der Tod ist jetzt online”?

 

 

Falls es jemanden interessiert

Unseren Geschäftsbericht 2017 haben wir hier soeben in der Rubrik “Publikationen” neu eingestellt.

Er enthält auch einige ganz interessante Statistiken über die Entwicklung des Marktes bei abwickelnden Offenen Immobilienfonds allgemein sowie die (sehr unterschiedlichen) Erfolge der einzelnen Fonds im Abwicklungsprozess.

Deutsche Post revolutioniert die Betriebswirtschaft

Hin und wieder kommt hier ja auch mal ein Anekdötchen aus dem eigentlichen Kerngeschäft unserer Firmengruppe, nämlich dem Handel mit Historischen Wertpapieren.

Als Versandhändler kommt man ja irgendwie an der Deutschen Post nicht vorbei. Obwohl die einen (vor und nach ihrer Monopolzeit) seit Jahrzehnten nach Strich und Faden betrogen, belogen, verarscht und gedemütigt haben. Folglich haben auch wir mit diesem Stamokap-Verein bis heute zu tun, obwohl wir ihn, wenn wir nur könnten wie wir wollten, am liebsten schon längst auf den Mond geschossen hätten.

Heute ist es mal wieder so weit, daß die Volksseele überkocht. Der Preis für die “Warensendung Kompakt” steigt von 0,90 Euro auf 1,30 Euro. Das sind mal fix mehr als 44 % auf einen Schlag. Das ist schon schlimm genug, aber die an Kundenveralberung nicht zu überbietende Begründung schlägt dann wirklich dem Faß den Boden aus:

“Nach langjähriger Preisstabilität ist in Anbetracht allgemeiner Kostensteigerungen die Anpassung der Preise notwendig.” O.k., so weit so gut, das ist die wirklich dämliche aber immer wieder gern verwendete Standardfloskel. Doch dann kommt’s: “Ferner sehen wir uns mit einem stetig zunehmenden Durchschnittsvolumen der Warensendung konfrontiert, das zusätzliche Investitionen in die Optimierung der Prozesse zur langfristigen Sicherheit der Qualität unserer Dienstleistung erforderlich macht.”

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. “Wir sehen uns mit einem zunehmenden Volumen konfrontiert.” Auf deutsch:  Die Kunden haben scheinbar mehr Aufträge erteilt. Bisher hatten wir immer gedacht, daß sich jede Firma darüber freuen würde. Doch hier: Was erlauben Kunde??!! Wie kann man denn bloß auf Konfrontationskurs zur heiligen Mutter Deutsche Post gehen und ein zunehmendes Durchschnittsvolumen verursachen und damit diese bedauernswerten Menschen zu Preiserhöhungen zwingen?

Auch unser betriebswirtschaftliches Grundwissen, dessen Kernsätze wir bisher für in Stein gemeißelt hielten, ist über Nacht in Frage gestellt. Bisher glaubten wir, ein steigendes Volumen zöge grundsätzlich eine Kostendegression nach sich. Doch hat die Betriebswirtschaft das Problem der sprungfixen Kosten offenbar seit Jahrzehnten systematisch unterschätzt. Jedenfalls bei der Deutschen Post, in deren Kostenstrukturen bei steigenden Volumina nicht nur sprungfixe, sondern sogar hochsprungfixe Auswirkungen unvermeidlich angelegt scheinen.

Wir geben ganz ehrlich zu: Als der Verfasser dieser Zeilen noch jung, dynamisch und angesichts der Bankschulden zum Erfolg verurteilt war, mit anderen Worten: Wegen des täglichen wirtschaftlichen Drucks emotional noch ganz anders eingefärbt war als heute – da gab es Zeiten, wo wir eine Fernseh-Show zur Auswahl des schlimmsten Postmitarbeiters des Monats gut gefunden hätten. Mit öffentlichem Aufknüpfen an einer Laterne am Schluß der Sendung. An Tagen wie diesen blitzt diese eigentlich längst ad acta gelegte Idee mal wieder durch.

1 2 3 69