Hoch im Norden weht ein rauer Wind …

… sang 2013 die Gruppe Santiano. In dieser Band hatte der in Flensburg lebende Musikproduzent Hartmut Krech im Jahr 2011 fünf Musiker zusammengebracht. Kurz danach setzte der CS Euroreal die Rücknahme seiner Anteilscheine endgültig aus.

Hartmut Krech aus Flensburg, und ein rauer Wind hoch im Norden – wie paßt das jetzt mit dem CS Euroreal zusammen? Nun, eines der zuletzt noch 12 im CS Euroreal vorhandenen Restobjekte ist die „Flensburg Galerie“, ein innerstädtisches Einkaufszentrum, das in den letzten Jahren noch einmal für einen zweistelligen Millionenbetrag aufwändig umgebaut und auf die Höhe der Zeit gebracht wurde.

Man runzelte schon ein wenig die Stirn, als die Flensburg-Galerie trotz Modernisierung und sehr erfolgreicher Neuvermietung im August 2018 von zuvor 75,5 Mio. EUR auf 73,7 Mio. EUR abgewertet wurde. Diesen Fingerzeig hätten wir, rückschauend betrachtet, ein wenig ernster nehmen müssen. Denn die Glanzzeit, in der für gute deutsche Einkaufszentren noch Spitzenpreise bezahlt wurden, scheint sich dem Ende zugeneigt zu haben. Und da die Börse ja bekanntlich immer Recht hat, erklärt das nebenbei bemerkt auch, warum eine Deutsche Euroshop AG an der Börse mittlerweile 30 % unter Buchwert notiert …

Am Abend des 9. November meldete das „Flensburger Tageblatt“ dann: „Flensburg Galerie für 62,5 Millionen Euro verkauft“. Als Käufer wird die südafrikanische „MAS Real Estate Inc.“ genannt. Das „Closing“, also die tatsächliche Abwicklung des Vertrages mit Kaufpreiszahlung, ist angabegemäß für den 31.01.2019 vorgesehen.

Da haben wir mit unserer Schätzung zum vermutlich erzielbaren Verkaufspreis ziemlich daneben gelegen. Nach immer nur positiven Meldungen zum Umbau und neuen Mietern und die (zuletzt in der Deutschen Immobilien-Zeitung besprochene) Stärke des Objektes hatten wir den Verkehrswert von 73,7 Mio. EUR für etwas vorsichtig gehalten und mit 80,0 Mio. EUR gerechnet – was bei einer Ist-Miete von rd. 4,4 Mio. EUR einer u.E. absolut im Rahmen liegenden Brutto-Mietrendite von 5,5 % p.a. entsprochen hätte. Statt dessen erfolgte der Verkauf jetzt mit beachtlichen 7,0 % Brutto-Mietrendite. Allein an den beiden Bombendrohungen gegen die „Flensburg Galerie“ im Herbst dieses Jahres kann dieser raue Wind im Norden wohl nicht gelegen haben …

Ganz generell ist es natürlich immer gut, wenn der CS Euroreal (neben dem SEB ImmoInvest der letzte Fonds mit einer größeren „Resterampe“) mal wieder etwas verkauft bekommt. Und nach statistischer Erfassung der letzten drei teilweise seit Wochen bekannten, aber offiziell von der Verwahrstelle (Commerzbank AG) bis heute nicht gemeldeten Verkäufe drückt ein aktueller Börsenkurs von 8,25 EUR immer noch einen ausreichend hohen Abschlag von 31,5 % auf die nun noch verbliebenen Verkehrswerte aus.  Man wird also an diesem Fonds während der Restabwicklung wohl kaum Geld verlieren können.

Trotzdem: Die nach Verkauf der „Flensburg Galerie“ immer noch verbliebenen vier Einkaufszentren machen mit addiert 261 Mio. EUR Verkehrswerten 54 % des restlichen Immobilienvermögens von 485 Mio. EUR aus. Mit 126,3 Mio. EUR entfällt knapp die Hälfte des EKZ-Restportfolios auf die „Rathaus Galerie“ in Essen. Zwar hat hier der Ankermieter Kaufland erst kürzlich den Mietvertrag um 15 Jahre verlängert – aber mit Ursprungsbaujahr 1981 ist die Essener „Rathaus Galerie“ schon ein betagtes Mütterchen, von dem wir keine Wunder mehr erwarten würden.

Noch vor rund zwei Jahren hatte der CS Euroreal ein dickes Paket mit drei Einkaufszentren in Leverkusen, Nürnberg und Rimini (das sog. „Melody-Portfolio“) für fast 700 Mio. EUR und damit weit über den letzten Verkehrswerten an die genossenschaftliche Union Investment verkaufen können. Den hohen, über 50 % liegenden Handelsimmobilien-Anteil des Fonds hatte man damals absolut noch als Vorteil gesehen. Dieser Vorteil dürfte sich inzwischen in Luft aufgelöst haben, und nach einer drastischen Abwertung des Shopping Center im tschechischen Olmütz im April 2018 von 74,2 Mio. EUR auf 56,0 Mio. EUR zeigt nun der unerwartet schlechte Verkauf der „Flensburg Galerie“, wohin bei den Restbeständen die Reise wohl gehen wird.

Als Lichtblick verbleibt nur der zweitgewichtigste Restposten, ein Paket von zwei Büroimmobilien in Lissabon, bei dem ein Verkauf unter dem zuletzt immer weiter heraufgesetzten Verkehrswert von gut 100 Mio. EUR eine faustdicke Überraschung wäre.

Alles in allem sehen wir beim Immobilien-Restbestand von 485 Mio. EUR ein potentielles Verlustrisiko von 10 % schon als absolutes Worst-Case-Szenario – sofern die Märkte innerhalb der nächsten 12 Monate nicht abrupt und deutlich drehen. Vor diesem Hintergrund sehen wir in dem gegenwärtig im Börsenkurs ausgedrückten Bewertungsabschlag von 31,5 % immer noch ein ausreichendes Sicherheitspolster – zumal sich nach dem erwartbaren Lissabon-Verkauf dieses Polster für den Restbestand dann rechnerisch sogar noch auf 40,0 % ausweiten würde. Zu ganz übertriebener Euphorie bietet der CS Euroreal aber mit der aktuellen Faktenlage auch keinen Anlaß (mehr).

Tena Men – volle Kontrolle

Viel schneller als ich dachte hat der Algorithmus der betreffenden Internet-Werbetreibenden seine Bemühungen eingestellt, mich zur Belegung exotischer Sprachkurse zu bewegen. Es liegt möglicherweise an meiner gestrigen Fake-Weinbestellung. Fake ist ja seit geraumer Zeit echt hip. Wer was auf sich hält, der muss geradezu faken. Also auch mit „alternativen Identitäten“ Wein bestellen.

Dass ich mich bei der gestrigen Weinbestellung als 117-jähriger Prof. Dr. Donald Duck ausgegeben habe, ist möglicher Weise der Grund dafür, daß der Computer mir keine Sprachkurse mehr anbietet. Erstens wird ein 117-jähriger eher kein großes Weiterbildungsbedürfnis mehr verspüren. Zweitens ist ein Professor ja von Natur aus schlau und würde es als Zumutung empfinden, daß ihn ausgerechnet ein Computer noch schlauer machen will.

Meine Vermutung, daß da im Hintergrund viel mehr Datenverknüpfungen ablaufen als wir ahnen, fand sich heute früh denn auch bestätigt: Nach längerer Pause wieder mal Werbung für ein Inkontinenz-Produkt. Tena Men – volle Kontrolle. Ist ja bei näherer Betrachtung auch klar: Bei einem 117-jährigen, gleich welchen akademischen Grades, ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, daß er öfter mal einstrullt.

Als ob das nicht genug wäre, verzweifle ich bei Lektüre der Morgenzeitung an dieser Welt gleich noch mehr. Der sogenannte „Dieselkompromiß“. Ich traue meinen Augen kaum, wie sich die Bundesregierung im allgemeinen und der Verkehrsminister im besonderen da von der Autoindustrie wie Tanzbären am Nasenring herumführen lässt. Es soll nun für betroffene Autobesitzer Zuschüsse zu den Nachrüstungskosten geben. Aber nur für Diesel-Besitzer in den 15 am stärksten betroffenen Städten.

Ich besitze zwar auch einen Diesel (Euro-4-Norm, Erstzulassung 2011), aber als Bewohner des ländlichen Raums auf einem norddeutschen Rübenfeld zähle ich nicht zu den Begünstigten dieses faulen Kompromisses. Dass ich und alle anderen in meiner Situation aber trotzdem ab und zu mal in Städte wie Mainz, Köln, Bonn, Hamburg, Stuttgart, Berlin etc. etc. fahren müssten, das scheint noch keinem aufgefallen zu sein.

Der geneigte Leser weiß ja inzwischen, daß ich mich eher als digitalen Einsiedler betrachte. Es ist tatsächlich so: Ich besitze noch nicht mal ein Handy oder gar ein Smartphone. Ich habe schon vor geraumer Zeit einfach mal ganz bewußt entschieden, mich in meiner analogen Welt festzukrallen und dort irgendwann zu sterben. Aber nach dem gestrigen Dieselkompromiß werden auch größere Teile der analogen Welt für mich schon bald nicht mehr erreichbar sein. Ich werde dann nicht nur als Einsiedler sterben, sondern als Gefangener der sauberen Luft auf dem Rübenfeld.

Und warum das alles? Das Problem ist ja nicht analog, sondern digital. Alles nur wegen der blöden Schummel-Software, die der Hütchenspieler-Konzern wahrscheinlich auch in meinem Audi verbaut hat. Sag ich ja schon lange: Mit der Digitalisierung wurde der Untergang des Abendlandes eingeleitet. Jedenfalls der Untergang von dem, was einfach gestrickte ältere Menschen mit Sinn für Anstand und Ehrlichkeit (also keine VW-Vorstände, sondern Menschen wie Sie und ich) bisher unter „Abendland“ verstanden haben.

Ein von mir überaus geschätzter regelmäßiger Leser dieses Blogs gab mir gestern, als Antwort auf mein Schwadronieren über Fluch und Segen von Internet und Digitalisierung, einen Lesetip: „Quality Land“ von Marc Uwe Kling. Die beste Ehefrau von allen, die mir das für unsere im Januar 2019 beginnende nächste Kreuzfahrt jetzt gleich mal zu Weihnachten schenken könnte, hat sich da sofort die Kritiken im Internet angeschaut und war hellauf begeistert.

Ich freue mich also schon auf dieses Buch, das mich wohl in mancher Skepsis bestätigen wird. Zugleich fürchte ich aber auch, daß mir nach der Lektüre endgültig klar sein wird: Du wirst keines natürlichen Todes sterben. Du wirst verhungern, weil Du Dich bis zum Schluß standhaft geweigert hast, Dir einen Geldbörsen-Chip in den Handrücken einpflanzen zu lassen. Und irgendwann konntest Du dann nirgends mehr etwas einkaufen. Nachdem das Bargeld endgültig abgeschafft war, welches nach künftiger offizieller Lesart der Inbegriff von und das Synonym für Mädchenhandel, Geldwäsche und Terrorfinanzierung sein wird.

Als Ausweichstrategie werde ich mich (jetzt, nachdem das Weinregal schon prall gefüllt ist) dem Aufbau eines bedeutenden Lagerbestandes an Dauerkonserven widmen. Damit die beste Ehefrau von allen und ich auch in den kommenden Zeiten der Voll-Digitalisierung noch ein paar Jahre lang etwas zu essen haben. In den kommenden Zeiten, wo Algorithmen in einem seelenlosen Blechhirn über unser Wohl und Wehe entscheiden werden. Wo die Software eines selbstfahrenden Autos, so wie in den USA bei Uber-Fahrversuchen schon geschehen, jederzeit die Entscheidung treffen kann, mich zu überfahren. Meinen Sie, den Computer stört es, wenn man ihm dafür eine Gefängnisstrafe androht? Wir steuern auf eine Welt zu, in der das vormalige Individuum in einem virtuellen Ameisenstaat nur noch ein unbedeutender und jederzeit austauschbarer Netzknoten in einem neuronalen Netz sein wird.

In dem Sinne: Schönes Wochenende. Genießen Sie trotzdem das Leben, und bleiben Sie uns gewogen.

Schöne Grüsse von Mickey Mouse

Feinsinnig bemerkte in einem Telefonat heute vormittag mein Herr Aufsichtsratsvorsitzender, ich sei im Moment aber eine ausgesprochene Plaudertasche. Er bezog sich auf meine mehrfachen gestrigen Publikationen, die mit dem Thema abwickelnde Offene Immobilienfonds wirklich nur ganz am Rande zu tun hatten. Es ging wohl eher um Weinbestellungen. Sie müssen das entschuldigen: Gestern und heute sind die beiden Tage in dieser Woche, in denen sich die allerbeste Ehefrau von allen und der Verfasser dieser Zeilen dem Kurzzeitfasten verschrieben haben.

Eine derartige Selbstkasteiung hebt nicht gerade die Stimmung. Im Gegenteil, für einen ganz analytisch und abstrakt denkenden Menschen wie mich ist Sarkasmus dann eine natürliche Reaktion. Wenn man schon real nichts essen oder etwas brauchbares trinken darf, dann kann man sein Heil ja wenigstens in der abstrakten Beschäftigung mit diesem Thema suchen.

Heute mittag war die Tasse schwarzer Kaffee, die mir die beste Ehefrau von allen an den Bildschirmarbeitsplatz brachte, also das höchste der Gefühle. Und, Sie glauben es nicht: Kaum öffne ich meine emails, da springt sie mir schon entgegen: Die nächste Oferta especial.

Ich hatte gestern ja erklärt, daß damit jetzt Schluß ist. Das Weinregal ist schlicht und ergreifend zum Bersten voll. Aber sagen Sie selbst: Ein 2013er Tobía Reserva, ein echter Ausnahme-Rioja, der Sechser-Karton für nur 64,90 EUR statt 107,70 EUR – kann man dazu „Nein“ sagen? Mehr noch: Wenn ich drei Kartons bestelle, gibt das eine durch 18 teilbare Flaschenmenge, und dafür kriege ich noch mal 3 % Verpackungsrabatt extra.

Mich stach der Hafer. Wie weit würde man wohl gehen können, ehe das umsatzgeile Blechgehirn irgendwann mißtrauisch wird? Also füllte ich die Bestellmaske aus. Besteller dieses Mal: Prof. Dr. Donald Duck. Geburtsdatum: 1. April 1902. Lieferung natürlich wie üblich auf Rechnung.

Sie werden es nicht für möglich halten: Wenige Sekunden später hatte der 117-jährige Prof. Duck die Auftragsbestätigung auf dem Bildschirm. Lieferung erfolgt morgen. (Anmerkung der Redaktion: Und Prof. Duck wird es auch kriegen, das haben wir mit unserem Paketboten schon ausbaldowert.)

Ein Computer kann zwar in Sekundenbruchteilen Millionen von Rechenoperationen leisten, aber er ist und bleibt saudumm. Die Resultate, die hinten rauskommen, sind immer nur so gut wie die Daten und Algorithmen, die man vorne reintut. Das ist dann halt das Problem. Für einen Computer ist ein 117-jähriger Prof. Donald Duck ein ganz normaler Kunde, wie Millionen andere auch. Hätte ich dagegen im Callcenter bestellt, so hätte ich wahrscheinlich die freundliche Antwort bekommen: „Ey, Alter, willst Du mich verarschen?“

So viel heute zum Thema „Künstliche Intelligenz“. Ich werde mich gleich einmal schlau machen, in welchen deutschen Städten aktuell Versuche mit selbstfahrenden Autos stattfinden. Und mich von diesen Orten konsequent fernhalten.

Versuch macht kluch ….

Soeben hat die Firma Taunus Capital Management AG ein freiwilliges öffentliches Kaufangebot für Aktien der CS Realwerte AG zum Preis von 525,00 EUR/Aktie veröffentlicht. Das wird unseren Aktionären in den nächsten Tagen von ihrer Depotbank entsprechend mitgeteilt werden.

Verboten ist das nicht. Fragen kostet ja nichts. Und daß die überwiegend blödsinnigen deutschen Kapitalmarktvorschriften (schönen Gruß nach Berlin, ihr Flachpfeifen im Finanzministerium!) die Depotbanken in diesem Fall verpflichten, ihren Kunden dieses Angebot zur Kenntnis zu bringen, dafür kann man der Firma Taunus Capital Management AG ja keinen Vorwurf machen. Sie nutzt den hausgemachten Blödsinn nur für ihre Zwecke aus und lacht sich dabei wahrscheinlich immer wieder einen in’s Fäustchen. Vor allem, weil sie außer den vernachlässigenswerten Veröffentlichungskosten im Bundesanzeiger nicht mal was für diese Masche zahlen muß.

Ob Sie, liebe Aktionäre, das Angebot annehmen möchten, entscheiden Sie selbst. Wir können nur zum wiederholten Male darauf verweisen, daß hier auf unserer Internet-Seite unter „Publikationen“ / „Unser Portfolio“ monatlich aktuell der innere Wert einer CS-Realwerte-Aktie veröffentlicht wird, und daß unser Großaktionär (die Aktien-Gesellschaft für Historische Wertpapiere) jederzeit bereit ist, Aktien zum inneren Wert abzgl. 4,5 % Handling-Gebühr zu erwerben.

Einer geht noch

Dem aufmerksamen Leser wird schon seit längerem aufgefallen sein, daß der Verfasser dieser Zeilen eine gesunde Aversion gegen alles Digitale im allgemeinen und sogenannte Künstliche Intelligenz im Besonderen hat.

Was ihn natürlich nicht daran hindert, das Internet maßvoll bei solchen Aktivitäten zu nutzen, wo er sich einen meßbaren Nutzen für sich oder die Firma verspricht. Dazu gehören Weinbestellungen.

„Oferta especial!“ Das ist ein Reizwort, das beim Verfasser dieser Zeilen, zugegebener Maßen ein Genußmensch, immer zieht. Einem bei einer Tochtergesellschaft des Hawesko-Konzern eingestöpselten Blechhirn ist das inzwischen aufgefallen. Weshalb mich dieses Blechhirn pausenlos mindestens einmal täglich mit Sonderangeboten mit mindestens 40 % Rabatt bombardiert.

Einerseits hat das Blechhirn mit der Methode durchaus Erfolg. Bis jetzt jedenfalls. Denn nach Einräumen der gerade heute gelieferten Kisten wird mein Weinregal bummsvoll sein. Mehr geht dann erst mal nicht, und ich werde jeder künftigen „Oferta especial!“ mannhaft widerstehen müssen. Bis das Blechhirn das begriffen hat, wird es geraume Zeit dauern – keine leichte Zeit, denn in der Internet-Werbung sieht ja jedes gute Tröpfchen geradezu lebensverlängernd aus.

Andererseits konnte man mit dem Blechhirn auch nette Spielchen betreiben. Der Algorithmus der blöden Maschine möchte natürlich herauszufinden, worauf ich besonders gut reagiere. Warum sollte ich da nicht vice versa versuchen, herauszufinden, was die Maschine so alles mit sich machen lässt?

Ich hasse er übrigens, zu viel über mich zu verraten oder bei einer Internet-Bestellung gar ein Konto anzulegen. Nein, ich bin immer wieder jemand anders. Entweder ist das der dummen Maschine noch gar nicht aufgefallen, oder sie drückt schmunzelnd beide Augen zu und sagt „Na ja, wenn’s ihm Spaß macht. Hauptsache, er bestellt ordentlich.“

Vorgestern jedenfalls habe ich, wieder einmal unter neuem Namen, rund 150 Flaschen ausgesucht guter Weine im Wert von gut 1.300 EUR bestellt. Da die Maschine ja bei jeder Bestellung auch mein Geburtsdatum wissen will, habe ich mich dieses Mal spaßeshalber als 104 Jahre alter Gewohnheitstrinker ausgegeben, der die neun Großkartons bitte auf Rechnung haben will. Ich war fest davon überzeugt, diese Bestellung würde der Computer nicht annehmen. Aber es hat anstandslos funktioniert, und ich werde gleich mal alles in den Kofferraum laden. Nebenbei bemerkt, es hat anstandslos funktioniert, obwohl meine beiden letzten Bestellungen ebenfalls auf Rechnung unter anderen Pseudonymen schon auf Mahnstufe 2 sind.

Woher weiß die Maschine eigentlich, daß ich sie nur verarschen will, und daß der Laden sein Geld am Ende doch bekommen wird? Obwohl die angeblichen Weinbesteller, die den Empfang folgerichtig und völlig unbeanstandet mit drei Kreuzen quittierten, real gar nicht existieren?

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