Unerwartet

So unerwartet wie am Mittwoch die Wahl von Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten von Thüringen kam, genau so unerwartet kam heute die Ankündigung des KanAm grundinvest, bereits am 11.02.2020 die nächste Ausschüttung vornehmen zu wollen. Also gerade einmal zwei Monate nach der letzten Ausschüttung im Dezember 2019.

Es sollen zwar nur 0,36 EUR je Anteil werden. Aber für völlig unerwartet ist auch wenig viel.

Wie zerronnen so gewonnen

Ja, manchmal geht das auch umgekehrt. Die Kursentwicklung unserer Fonds in den letzten beiden Monaten des Jahres 2019 war ja nun wirklich unterirdisch gewesen – ohne daß man (außer die besonders schlechten letzten Immobilienverkäufe des CS Euroreal) dafür einen richtigen Grund hätte ausmachen können.

Im Januar 2020 gab es schon wieder etwas Salbe auf die Wunden. Von den stillen Lasten von rd.  2 Mio. EUR, mit denen wir in’s neue Jahr gestartet waren, ist gut die Hälfte bereits wieder verschwunden. Auch wegen der Entwicklung des inneren Wertes pro Aktie hatten wir einige besorgte Anrufe erhalten – da können wir unsere Aktionäre aber ebenfalls beruhigen: Zum 31.01.2020 sind wir jetzt schon wieder bei 979,08 EUR.

Die genaue Monatsübersicht wird im Laufe der Woche online gestellt werden.

Alle unsere Fonds sind nunmehr immobilienfrei (bis auf das wertmäßig zu vernachlässigende Trümmergrundstück des DEGI International in Bukarest) und fast alle haben im übrigen kürzlich auch Vorschauen auf voraussichtliches Tempo und Dauer ihrer Restabwicklung gegeben.

In den vergangenen fünf Jahren war die Steuerung unseres Geschäfts wegen der großen Zahl an Unwägbarkeiten nur im Sichtflug möglich. Regelmäßige Überraschungen (wie BaFin-verschuldete Bestands-Verramschungen durch Dachfonds, fundamentale Eingriffe des Gesetzgebers in die Besteuerungsgrundlagen oder eigentlich nicht für möglich gehaltene Schlecht-Verkäufe von Restimmobilien) überraschten uns am Ende kaum noch, da entwickelte man einen gewissen Fatalismus. Der Geschäftsplan musste jedenfalls andauernd nachgeschärft werden.

Diese Phase können wir aber als abgeschlossen betrachten. Die nunmehr ungleich verlässlichere Datenlage erlaubte uns jetzt sogar, unsere eigene Geschäftsentwicklung für die nächsten fünf Jahre, also bis einschließlich 2024, zu planen. Unser Aufsichtsrat wird sich auf seiner Sitzung am 03.02.2020 mit dieser Planung auseinandersetzen. Im Laufe der Woche werden wir unseren Aktionären brieflich dann Näheres mitteilen.

Verena, Vera oder Helmuth?

Nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres überkam den Verfasser dieser Zeilen das unstillbare Bedürfnis, in die Vielfalt seiner Bankbeziehungen etwas Ordnung zu bringen. Simplify your life. Neben anderem führte das auch zu diversen Briefen der Volksbank eG Braunschweig Wolfsburg, jeweils unterschrieben von Verena Wachtel.

Gestern nun hatte sich der Verfasser dieser Zeilen mal wieder in die Hände einer professionellen Dame zu begeben. Nicht was Sie denken, Sie Unhold. Nein, die Rede ist von Zahnreinigung. Die professionelle Reinigung der zugegebener Maßen inzwischen sehr überschaubaren Restanzahl eigener Zähne besorgte gestern Vera Hamster. Und (diese Dame kennt der Verfasser dieser Zeilen schon aus Zeiten als er noch gar keine Prothese trug) es assistierte Lara Lustig.

Angesichts dieser phantasievollen Namen schämt man sich fast, nur Jörg Benecke zu heißen. Wenngleich das nicht einmal die ganze Wahrheit ist. Auf Auslandsreisen heiße ich seit ein paar Jahren Helmuth. Das liegt daran, daß meine inzwischen 94-jährige Frau Mutter nach meiner Geburt den Wunsch hatte, meinem eigentlichen Namen Jörg zum Andenken an ihre beiden vor Stalingrad im Krieg gebliebenen Brüder deren Namen Helmuth und Arno voranzustellen.

Früher, in analogen Zeiten, war das so geregelt, daß im Reisepaß der Hauptvorname unterstrichen war. In Zeiten maschinenlesbarer Ausweise kann man auf solche Feinheiten keine Rücksicht mehr nehmen. Vorname ist ganz automatisch, was da als erstes steht. Ganz zu Anfang versuchte ich noch, dem Einwanderungsbeamten zu erklären, mein richtiger Vorname sei eigentlich Jörg. Das brachte mich aber regelmäßig nur in größere Schwierigkeiten. Mit künstlicher Intelligenz, die sich bei der Ausführung ihrer Tätigkeit eines unterbelichteten Uniformierten bedient, kannst Du nun mal nicht diskutieren. Wenn KI nach Auswertung Deiner maschinenlesbaren Daten sagt, Du bist, sagen wir mal, eine Wachtel, oder auch ein Hamster, dann bist Du eben eine Wachtel oder ein Hamster. Reg‘ Dich bloß nicht auf. Das ist halt der Fortschritt. Auf Einzelschicksale kann man da weiß Gott keine Rücksicht nehmen.

Man hat uns ja lange genug eingebläut, Veränderungen positiv zu sehen. Na gut. Dann heiße ich eben neuerdings Helmuth. Das ist auch viel praktischer als Jörg. Mit Schaudern erinnere ich mich noch an das Strandcafé auf Annamaria Island (das liegt am Golf von Mexico südlich von Tampa). Vor vielen Jahren, als es noch gar keine maschinenlesbaren Pässe gab, war da mal zum Frühstück in Florida gemeinsam mit Freunden ein Café am Strand von Annamaria Island das Café unseres Vertrauens. Die Bude wurde damals, als es auch in den USA noch keine Grundrente gab, von Rentnern betrieben, die da irgendwie gestrandet waren. Man musste seine Bestellung an einem Schalter aufsagen, und auf den Bestellzettel wurde der Vorname geschrieben. Dann humpelte einer der Greise mit dem Zettel durch die Küche und fing an zu brutzeln. Damals war ich noch fest davon überzeugt, Jörg zu heißen. Also stand dieser Name auch auf dem Bestellzettel.

Später kriegte man die Bestellung an den Platz gebracht. Die Bedienung wusste aber nicht, wo man saß – man wurde also ausgerufen. Haben Sie eine Vorstellung davon, wie es aussieht und wie es sich anhört, wenn eine 82-jährige frisch dauergewellte, auf jugendlich geschminkte und von der Sonne ordentlich angekokelte Rentnerin in Hot Pants in besagtem Strandcafé in etwas heiserem Sopran versucht, einem „Jörg“auf der Terrasse sein Frühstück zu bringen? Das hört sich an wie Möwengeschrei: Örk, Örk, Örk. Und weil am Strand tatsächlich richtige Möwen schreien, war das Rührei auf jeden Fall mal kalt geworden, ehe besagter „Jörg“ realisierte, daß das Möwengeschrei ihn meinte. Jetzt, wo ich Helmuth heiße, könnte ich da eigentlich mal wieder hinfahren …

Die Stunde des Statistikers

Es ist eines dieser Themen, über das man gemeinhin eher nicht spricht. Aber ja, es stimmt. Der Verfasser dieser Zeilen geht einmal im Monat zur Fußpflege. Gestern zum Beispiel mal wieder.

„Waren Sie kürzlich in China? Dann kommen Sie besser nicht rein.“ lautete die freundliche Begrüßung meiner Fußpflegerin, im übrigen bekennende Zuschauerin von Fernsehsendungen wie „Dschungelcamp“. Die überzeugend vorgetragene Versicherung, der letzte China-Aufenthalt läge schon fast ein Jahr zurück, verschaffte dem Verfasser dieser Zeilen schließlich doch Eintritt in’s Fußpflegestudio.

Das Coronavirus, so erfuhr man vorgestern von einem Sprecher des Auswärtigen Amtes, sei „weit weniger gefährlich als zum Beispiel Sars“. Zur Erinnerung: Mit der Lungenkrankheit Sars infizierten sich zur Jahreswende 2002/03 weltweit etwa 8.000 Menschen, 744 von ihnen kamen um’s Leben.

An Masern erkrankten letztes Jahr weltweit etwa 10.000.000 Menschen, 142.300 von ihnen starben an der Krankheit.

Nun gehört der Verfasser dieser Zeilen nicht zu den Lesern der BLIND-Zeitung. Über die von diesem Presseerzeugnis in den letzten Tagen auf der Titelseite behandelten Themen kann er deshalb nur Mutmaßungen anstellen. Er mutmaßt aber, daß das Coronavirus dort auch vorkam.

Hingegen hält es der Verfasser dieser Zeilen für nicht wahrscheinlich, daß es in diesem Jahrtausend auch die Masern schon mal auf die Titelseite der BLIND-Zeitung geschafft haben. Obwohl die Zahl der ihnen zum Opfer Gefallenen um mehr als das hundertfache größer ist – und das Jahr für Jahr wieder.

Würde der Verfasser dieser Zeilen versucht haben, seiner Fußpflegerin an diesem Beispiel zu verdeutlichen, daß der verständige Leser oder Zuhörer einer Nachricht stets auch deren Relevanz im Auge (bzw. im Ohr) behalten sollte, würde sie ihn anschließend wohl nur noch angeschwiegen haben. Obwohl es natürlich für die Selbsteinschätzung der eigenen weiteren Lebenserwartung ungleich zielführender gewesen wäre, wenn sie ihren Besucher statt nach einer möglichen China-Reise lieber nach einer Masern-Vorerkrankung gefragt hätte.

Nach dem dieses Jahr ersten Eintrag in das Lexikon des unnützen Wissens entlassen wir unsere Leserschaft in ein hoffentlich erholsames Wochenende mit dem Bemerken, daß nach den Beobachtungen des Verfassers auch die Finanzmärkte auf jede neue Nachricht erst einmal völlig unreflektiert reagieren und gewöhnlich erst im zweiten Schritt über die Relevanz der Nachricht nachdenken. Oder erinnern Sie sich heute noch auf Anhieb an den Namen des iranischen Generals, den die Imperialisten von jenseits des Atlantiks vor genau drei Wochen mit gezieltem Raketenbeschuß umgebracht haben?

Die Katze aus dem Sack

„Im Dezember 2019 wurden die beiden letzten Liegenschaften des CS EUROREAL veräußert. Die Anstrengungen der Commerzbank AG konzentrieren sich nun auf die Auszahlung der vorhandenen Liquidität.“

Das ließ uns die Commerzbank als Verwahrstelle des CS Euroreal in einer vom 16.01.2020 datierenden Mitteilung auf ihrer speziellen Homepage wissen.

Nach allem was man mit der Kopfschmerzbank schon so erleben durfte glauben wir den großen Strategen um Herrn Zielke aber wirklich auf’s Wort, daß für sie die Auszahlung vorhandener Liquidität eine echteAnstrengung ist. Umso mehr muß man die Tatsache würdigen, daß die Commerzbank das nervige Anlegervolk noch am 16. Januar vom Baum der Erkenntnis essen ließ, obwohl man doch eigentlich vollauf mit den letzten Vorbereitungen für die Feier von Herrn Zielkes Geburtstag am 17. Januar beschäft war. Herzlichen Glückwunsch nachträglich auch von den Deppen auf dem Wolfenbütteler Rübenfeld.

Die Auszahlung von Liquidität ist bei einer Großbank ja auch ein ganz ungewöhnlicher Vorgang, der weiß Gott nicht alle Tage vorkommt. Jedenfalls nicht mehr, seit man die panzerverglasten Kassenbutzen abgeschafft und durch Geldautomaten ersetzt hat, deren Fähigkeiten mit Beträgen wie sie beim CS Euroreal zur Auszahlung schon mal in Rede stehen natürlich hoffnungslos überfordert sind. Heutzutage ist für eine Auszahlung von Liquidität in diesen Größenordnungen dann eben schon mal eine Anstrengung bis hinauf zu mindestens einer Ebene unterhalb des Vorstands von Nöten. Deshalb dauert es ja auch so lange.

Womit wir beim Thema wären. Immerhin informiert uns die Commerzbank weiter: „Um einerseits die jederzeitige Zahlungsfähigkeit des CS EUROREAL sicherzustellen, damit wie vorstehend geschildert noch bestehende Verbindlichkeiten bedient werden können, andererseits die insoweit nicht mehr benötigte Liquidität an die Anleger auskehren zu können, hat die Commerzbank AG ein geordnetes Verfahren zum Liquiditätsmanagement etabliert. Dieses Verfahren ist von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer abgenommen worden und wurde auch der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gegenüber offengelegt.“ Und weiter: „Vor dem vorstehend geschilderten Hintergrund ist eine finale Auflösung des CS EUROREAL nach dem aktuellen Sach- und Kenntnisstand nicht vor dem Jahr 2029 zu erwarten. Nach aktueller Planung wird angestrebt, dass rund 40 bis 50 % des nach der Auszahlung im Dezember 2019 verbliebenen Fondsvermögens in den Geschäftsjahren 2019/2020 bis 2022/2023 ausgezahlt werden können.“

Damit ist die Katze also aus dem Sack. Im Kontext mit den Erfahrungen bei weiteren von der Commerzbank AG administrierten abwickelnden Fonds, die in der Abwicklung schon weiter fortgeschritten sind als der CS Euroreal, können wir jetzt relativ verlässlich planen. Indem wir die Ist-Werte dieser Fonds mit den vorherigen Ankündigungen der Commerzbank AG vergleichen, lässt sich für uns auch für die Abwicklungsgeschwindigkeit des CS Euroreal in der verbleibenden Restzeit eine Annahme treffen.

Auf dieser Basis können wir dann weiter für die CS Realwerte AG einen mehrjährigen Abwicklungs-Betriebsplan entwickeln, der sowohl unseren Aktionären wie auch den uns finanzierenden Kreditinstituten eine Vorausschau auf unsere voraussichtliche Geschäftsentwicklung mindestens einmal in den nächsten drei Jahren liefert. Nach entsprechender Beratung in den Gremien werden wir also auf unserer diesjährigen Hauptversammlung (am 26. Juni 2020 in Wolfenbüttel) entsprechend konkret die Zukunftsperspektiven darstellen können.

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