Osterüberraschung beim SEB ImmoInvest

Der SEB ImmoInvest überrascht heute mit einem Anstieg des Rücknahmepreises (Net Asset Value) von 0,62 EUR auf 0,76 EUR/Anteil. Nach Angaben der Fondsgesellschaft beruht dies „auf der Auflösung nicht mehr benötigter Rückstellungen“, was darauf schließen lässt, dass die zunächst sogar schon für 2025 angekündigt gewesene finale Auflösung dieses Fonds jetzt tatsächlich kurz bevorsteht.

Das gemeine Volk rieb sich in den letzten Monaten schon verdutzt die Augen, warum der Börsenkurs des SEB ImmoInvest stets höher lag als der Rücknahmewert (was ohne tieferes Wissen ja vollkommen unlogisch war). Ein Schelm wer denkt dass da irgendwelche Insider der Versuchung nicht widerstehen konnten …

Ach, und by the way, nur dass es die geschätzte Leserschaft mal gehört hat (für sich allein wäre es uns keine eigene Veröffentlichung wert gewesen): Frau Orlopp von der Kopfschmerzbank hat zu Ostern schon wieder ihre Spendierhosen angezogen: 1 cent/Anteil Schlußausschüttung gibt es im April beim von der Commerzbank mit geradezu galaktischer Umsicht verwalteten DEGI International.

Unter dem Kopfkissen …

… wäre das Geld dann doch besser aufgehoben gewesen. Anstatt es im damaligen Dresdner-Bank-Fonds DEGI International anzulegen. Dem heute veröffentlichten Abwicklungsbericht zum 31.12.2025 entnimmt man nämlich, daß der Fonds seit seiner Auflage im Febr. 2003 eine Rendite von minus 0,1 % p.a. erwirtschaftet hat. Aber er hatte ja auch nicht viel Zeit, Speck anzusetzen, ging dem Fonds doch schon im Okt. 2011 die Puste aus, mit Aussetzung der Anteilsrücknahme und anschließender Abwicklung.

Die dauert bis heute an und ist damit schon fast doppelt so lang wie das kurze Leben von nur etwas mehr als 8 Jahren im aktiven Vertrieb. Und das wird auch nicht mehr besser werden: Zwischen 3 und 4 % p.a. werden hier weiter beigekuhlt (vor allem wegen der abnormen Fondsverwaltungskosten von rd. 2,5 % p.a., schönen Gruß und ganz lieben Dank für Ihre aufopferungsvolle Mühewaltung, Frau Orlopp), ohne absehbares Ende. Denn zu dem 2009 abgefackelten Millennium Business Center in Bukarest steht im Abwicklungsbericht auch dieses Jahr genau das Gleiche wie all die Jahre zuvor: Es sei im Umbau, und die Gerichtsverfahren mit der Versicherung dauerten an. Tun tut sich da aber gar nichts: Ein knapp 1-minütiges Instagram-Filmchen aus dem Frühjahr 2025 bezeichnet das Hochhaus als „Phantom“, davor steht der gleiche Bauzaun wie schon seit Jahren, arbeiten tut da erkennbar keiner.

Die rumänische Immobiliengesellschaft, der das Millennium Business Center offiziell gehört, wird in den Büchern des DEGI International inzwischen nur noch mit 0,6 Mio. EUR bewertet. Und obwohl nicht ansatzweise zu erkennen ist, was aus der Ruine irgendwann einmal werden soll, hält die Commerzbank bei diesem Fonds seit Jahr und Tag und bis heute mehr als 40 Mio. EUR Liquidität vor, ohne Sinn und ohne Verstand.

Der Verfasser dieser Zeilen zieht inzwischen die Möglichkeit in Betracht, daß er die finale Auflösung des DEGI International gar nicht mehr selbst erleben wird. Ansonsten wünscht besagter Verfasser nicht nur der geneigten Leserschaft, sondern in einem Anflug von Altersmilde auch Bettina Orlopp eine erbauliche restliche Karwoche und ein schönes Osterfest.

Das kleine Einmaleins der Analyse

Wat is eine jute Geldanlage? Da stelle mer uns mal janz dumm und fangen an zu rechnen: 19,9 Mio. Euro krieje mer aktuell an jährlichen Mieteinnahmen rein, Bewirtschaftungsaufwand is 9,2 Mio. Euro, den Banken müsse mer 5,5 Mio. Euro an Zinsen zahlen, dem Fiskus 2,3 Mio. Euro an Steuern, und die jroßartigen Fondsverwalter knöpfe uns für ihre aufopferungsvolle Tätichkeit 3,2 Mio. Euro ab. Nun sind Sie dran: Wat blift für den Fondsinvestor übrich?

Nix. Weniger als nix, jenauer jesagt. Und da habe mer über das Thema „Abwertungen“ noch nich mal jesprochen, nachdem sich die allwissenden Jutachter bei den Verkehrswerten janz langsam an die Realität heranzutasten beginnen.

Der Verfasser dieser Zeilen hatte an diesem Wochenende zum ersten mal seit Jahren wieder das Vergnügen, sich mit dem Immobilienportfolio und den Zukunftsaussichten eines Immobilienfonds zu beschäftigen, der letzte Woche die Rücknahme seiner Anteilscheine ausgesetzt hatte. Übrigens schon zum zweiten Mal in seinem seit 1999 währenden Dasein. Beim ersten Mal im Sommer 2015 war er nach einmaliger Verlängerung dem Tod tatsächlich noch einmal von der Schippe gesprungen – als überhaupt einziger aller damals in Schwierigkeiten geratenen Offenen Immobilienfonds, alle anderen gingen hinterher wegen der offenkundigen Aussichtslosigkeit aller weiteren Bemühungen in die Abwicklung.

Wir reden hier nicht über irgendeine Duodezklitsche. Wir reden darüber, daß es nicht einmal mehr die große UBS geschafft hat, ihren UBS (D) Euroinvest auf den Füssen und offen zu halten. Und je tiefer sich der Verfasser dieser Zeilen nach jahrelanger Abstinenz wieder in die Märkte einarbeitet, desto mehr beschleicht ihn das Gefühl, daß den meisten Offenen Immobilienfonds wohl noch vieles bevorsteht, aber ganz bestimmt keine glänzende Zukunft mehr.

Kalt erwischt

Der 1999 aufgelegte Gewerbeimmobilien-Fonds UBS (D) Euroinvest brachte in seinen besten Zeiten im Herbst 2008 mal knapp 2,7 Mrd. EUR auf die Waage – das hat sich bis heute auf 1,43 Mrd. EUR fast halbiert.

Schon einmal, im Sommer 2015, musste UBS für diesen Fonds die Anteilscheinrücknahme aussetzen, zunächst für 12 Monate, was dann noch einmal um 12 Monate verlängert werden konnte (und wurde). Mit den fast nur institutionellen Anlegern (es galt und gilt eine Mindestanlagesaumme von 500.000 EUR) konnte man aber im Sinne der Schadensbegrenzung während der Zeit der Aussetzung besser reden als mit zigtausenden von Privatanlegern. Das hatte zum Ergebnis, daß man die meisten Investoren bei der Stange halten und den Fonds im Sommer 2017 tatsächlich wieder öffnen konnte. Der UBS (D) Euroinvest war damit unter allen damals in der letzten Finanzkrise in Schwierigkeiten geratenen Offenen Immobilienfonds der einzige, dem das Schicksal der endgültigen Schließung und anschließenden Abwicklung erspart blieb.

Erst einmal. Denn heute, fast 10 Jahre später, erfahren wir: Nun hat es diesen Fonds doch wieder erwischt. Die Rücknahme der Anteilscheine wurde erneut ausgesetzt, da die liquiden Mittel nicht ausreichen, um die bereits vorliegenden Rücknahmewünsche zu erfüllen.

Indem eine Krise die letzte davor jagt, nach nur einer kurzen Zwischenphase sorglos prosperierender Märkte, scheint das Thema „abwickelnde Offene Immobilienfonds“ so etwas wie eine „never ending story“ zu werden …

KanAm grundinvest: Ausschüttung am 11.03.2026

Heute erfahren wir im fondsnewsletter von Warburg/KanAm, daß es nächste Woche Mittwoch die bereits Ende letzten Jahres für das erste Quartal 2026 angekündigte nächste Ausschüttung geben wird, und zwar 0,26 EUR je Anteil. Das sind fast 30 % des noch verbliebenen Restvermögens des KanAm grundinvest und deutlich mehr als die 0,10 bis 0,20 EUR mit denen wir in unserer Planung gerechnet hatten.

Mit der Ende Februar erfolgten finalen Auflösung des DEGI Europa und nun der Ausschüttung des KanAm grundinvest ist in unserem speziellen Geschäft die Messe für das erste Halbjahr 2026 mehr oder weniger bereits gesungen. Die geschätzte Leserschaft stelle sich deshalb bitte auf eine ereignis- und nachrichtenlose Zeit von mindestens 10 Wochen ein. Ein bißchen Bewegung kommt voraussichtlich erst wieder mit der für Mai erwarteten Ausschüttung des CS Property Dynamic sowie den nächsten Ausschüttungen des CS Euroreal und des INTER ImmoProfil, mit denen wir im Juni rechnen.

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