Wo ist das Problem?

Zum 30.09.2026 wurde der Rücknahmepreis des DWS-Fonds Grundbesitz Europa noch einmal kräftig von 33,47 EUR auf 32,15 EUR/Anteil zurückgenommen. Am 30.06. hatten wir da noch bei 36,12 EUR gelegen. Alleine im letzten Quartal haben die Frankfurter Schrumpfgermanen also den Rücknahmewert eines ihrer seit mehr als einem halben Jahrhundert am Markt befindlichen Flaggschiffe um nicht weniger als 11 % eingedampft.

Der aktuelle Börsenkurs liegt jedoch nur noch bei 19,25 EUR. Wir reden also immer noch über einen im Börsenkurs ausgedrückten Wertabschlag von etwa 40 %. Ist das denn gerechtfertigt? Ehrlich gesagt reibt sich der Verfasser dieser Zeilen da doch ein wenig verwundert die Augen. Denn was dieser Traditionsfonds, einer der drei ersten in den 1970er Jahren in Deutschland überhaupt aufgelegten Imoobilienfonds, im Portfolio hat ist nun beileibe kein Schrott.

Das bestätigt eine weitere ganz interessante Zahl, die aber in der gegenwärtigen Hysterie fast völlig unterzugehen scheint: Aktuell besitzt der Grundbesitz Europa noch 65 Immobilien (davon rd. 15 % Wohnimmobilien), nachdem er im gerade zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2025/26 zur Bedienung der Rücknahmewünsche 11 Objekte verkaufen musste. Addiert beliefen sich deren letzte Verkehrswerte auf 767,4 Mio. EUR, erzielt wurden zusammen 767,3 Mio. EUR – also Verkäufe in einer sehr beachtlichen Größenordnung und Geschwindigkeit ganz ohne Verluste. Und die Verluste, die bei den weiteren zur Liquiditätsgenerierung notwendigen Verkäufen entstehen werden dürften nach unserer Einschätzung in den Abwertungen des III. Quartals berücksichtigt sein.

Weshalb die Börse dennoch aktuell weitere 40 % Verlust einpreist vermag sich dem Verfasser dieser Zeilen vor dem beschriebenen Hintergrund nicht so ganz zu erschließen. Schade für dieses uralte Qualitätsprodukt, aber eine selten gute Gelegenheit für uns, die Müllabfuhr am Ende der Nahrungskette der Kapitalmärkte, die genau mit solchen Situationen Geld verdient.

Colorandum causa: Wirklich wundern sollte sich die Deutsche Bank über dieses Malheur allerdings nicht, schließlich hat sie bisher selbst jede Sensibilität im Umgang mit dem Thema vermissen lassen. Dazu gehört, daß ein ganz dicht mit dem Ohr am Markt (nämlich in Singapur) dienstsitzender Risk Manager der Bank vor einem Jahr mal entschieden hatte, daß Immobilienfondsanteile grundsätzlich nicht mehr beleihungsfähig seien. Damals rauften sich die Frontkämpfer der Bank echt die Haare, wie sie großen und anspruchsvollen Wertpapierkunden jetzt erklären sollten, daß auch die hauseigenen DWS-Produkte plötzlich einen Beleihungswert von Null hatten. Was übrigens auch der Grund war, warum sich die Wege der kreditgebenden Deutschen Bank und der CS Realwerte AG Ende 2025 trennen mussten: Rein technisch gesehen waren wir (obwohl im Kreditvertrag etwas ganz anderes stand) mit einem Federstrich aus Singapur für die Bank nämlich plötzlich ein Blankoengagement, wegen dem Etikett „Immobilienfonds“ – obwohl unsere im Depot der Deutschen Bank liegenden abwickelnden Fonds schon seit Jahren keine einzige Immobilie mehr besassen, sondern nur noch aus Bargeld bestanden …

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